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Feuerökologe: "Erwarten von den Kameraden das Unmögliche"
Schlagzeilen · 29.07.2026 03:10

Feuerökologe: "Erwarten von den Kameraden das Unmögliche"

Kurz: Waldbrände in Frankreich erreichen historische Ausmaße. Feuerökologe Alexander Held warnt vor Überforderung der Einsatzkräfte und fordert ein Umdenken in der Fo

Wenn Einsatzkräfte an ihre Grenzen stoßen

Die verheerenden Waldbrände in Frankreich und Spanien halten Südwesteuropa in Atem. Während Einheimische und Touristen in Sicherheit gebracht werden, kämpfen die Einsatzkräfte vor Ort gegen eine Naturgewalt, die in Teilen als unkontrollierbar gilt. Der Feuerökologe Alexander Held vom Europäischen Forstinstitut zeichnet ein ernüchterndes Bild der aktuellen Lage: Die Feuerwehrleute seien am Limit, und die Erwartung, dass sie die Flammen unter den gegebenen Bedingungen löschen könnten, bezeichnet er als unrealistisch.

Das Zusammenspiel von Klima und Forstwirtschaft

Laut Held sind die aktuellen Brände kein Zufallsprodukt, sondern das Resultat einer gefährlichen Kombination aus klimatischen Veränderungen und menschlichem Einfluss. Der Klimawandel fungiert dabei als übergeordneter Rahmen, der die Bedingungen für extreme Feuer schafft. Hinzu kommen spezifische forstwirtschaftliche Entscheidungen der vergangenen Jahrzehnte, die das Risiko massiv erhöht haben.

Besonders kritisch sieht der Experte die Konzentration auf Monokulturen, etwa großflächige Kiefernplantagen. Diese wurden teilweise auf entwässerten Sumpfgebieten angelegt, was nicht nur den Baumbestand, sondern auch den Boden selbst hochgradig entzündlich macht. Wenn dann noch extreme Wetterbedingungen und eine schwierige Topografie hinzukommen, finden die Flammen ideale Voraussetzungen vor, um sich ungehindert auszubreiten.

Die Grenzen der Brandbekämpfung

Die internationale Unterstützung bei der Brandbekämpfung wird zwar als Zeichen gelebter Solidarität gewertet, doch der Feuerökologe gibt zu bedenken, dass die aktuelle Strategie in der Praxis kaum Wirkung zeigt. Die Brände hätten eine Schwelle überschritten, an der eine direkte Löschung kaum noch möglich sei. Unter diesen Umständen sei es beinahe unverantwortlich, Einsatzkräfte in die betroffenen Gebiete zu schicken, um ein Problem zu lösen, das durch mangelnde Prävention in der Vergangenheit erst in diesem Ausmaß entstanden ist.

Prävention als einziger Ausweg

Die Forschung ist sich seit Jahrzehnten einig: Um langfristig gegen Waldbrände gewappnet zu sein, muss der Fokus von der reaktiven Brandbekämpfung hin zur proaktiven Gestaltung der Landschaft verschoben werden. Die zentrale Stellschraube ist dabei die Biomasse. Durch gezielte Eingriffe in die Struktur der Wälder, die Regulierung des Feuchtegehalts und eine Anpassung der Bodennutzung könnten die Rahmenbedingungen so verändert werden, dass Feuer weniger Nahrung finden.

Politische Versprechen versus Realität

Die Kritik an der Politik ist deutlich: Seit Jahren wiederholen sich dieselben Absichtserklärungen, ohne dass daraus ein nachhaltiger Wandel resultiert. Dennoch sieht Held einen Hoffnungsschimmer in einer neuen Strategie der Europäischen Kommission, die bereits im März veröffentlicht wurde. Diese sieht vor, den Schwerpunkt künftig stärker auf die Prävention zu legen.

Ob dieser Ansatz Bestand haben wird, bleibt abzuwarten. Die Gefahr besteht, dass das politische Interesse nachlässt, sobald die unmittelbare Bedrohung durch die Brände abnimmt und die ersten Regenfälle einsetzen. Die Herausforderung für die kommenden Jahre wird darin bestehen, den Fokus trotz der Entspannung in einzelnen Regionen wie Bordeaux dauerhaft auf den vorbeugenden Waldschutz zu legen, anstatt nur auf die nächste Katastrophe zu reagieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/landschaft-gebaude-blauer-himmel-deutschland-13550553/ · Foto: Timo Volz
Quelle: https://www.zdfheute.de/wissen/waldbraende-frankreich-spanien-experte-alexander-held-feueroekologe-100.html