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Experte über Notlandung in München: "Es war wirklich knapp"
Schlagzeilen · 17.08.2026 19:23

Experte über Notlandung in München: "Es war wirklich knapp"

Kurz: Eine Boeing 787 von Vietnam Airlines entging am Münchner Flughafen nur knapp einer Katastrophe. Experten analysieren nun die Ursachen des gefährlichen Starts.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Am vergangenen Samstag kam es am Flughafen München zu einem gravierenden Zwischenfall in der zivilen Luftfahrt, der nach Einschätzung von Experten nur knapp in einer Katastrophe endete. Eine Boeing 787, der sogenannte Dreamliner, der Fluggesellschaft Vietnam Airlines befand sich auf dem Weg nach Hanoi, als der Startvorgang eine lebensgefährliche Wendung nahm. Die Maschine hob erst weit hinter dem Ende der regulären Startbahn ab, nachdem sie zuvor bereits den Boden mit dem Heck berührt hatte. Dieser Vorfall, in Fachkreisen als Tailstrike bekannt, löste eine Kette von Ereignissen aus, die den Piloten schließlich dazu zwang, den Flug abzubrechen. Nach einer mehrstündigen Warteschleife über dem Großraum München, in der Kerosin abgelassen wurde, gelang eine Notlandung am Münchner Flughafen. Dass bei diesem Vorfall niemand zu Schaden kam, wird von Luftfahrtexperten als großes Glück gewertet, da die Maschine nach dem fehlerhaften Startverlauf kurz vor einem Absturz stand, der in einem Feuerball hätte enden können. Der Vorfall wird nun intensiv von den zuständigen Behörden untersucht, um die genauen Hintergründe dieses gefährlichen Starts zu klären.

Die Einzelheiten des Vorfalls

Die Details des Vorfalls zeichnen ein dramatisches Bild der Geschehnisse auf der Startbahn. Wie Videoaufnahmen dokumentieren, entwickelten sich beim Startvorgang massive Staubwolken, während die Passagiere an Bord deutliche Erschütterungen in der Kabine wahrnahmen. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) bestätigte offiziell, dass die Befeuerung, also die Lichtzeichenanlage hinter der Startbahn, durch die Maschine beschädigt wurde. Das Luftfahrt-Portal "Aviation Herald" berichtete ergänzend, dass der Dreamliner erst 120 Meter hinter dem Ende der befestigten Startbahn im Grasbereich abhob. Dabei kam es zu einem Tailstrike, bei dem das Heck des Flugzeugs den Boden touchierte. Bei der späteren Notlandung, die etwa zwei Stunden nach dem Start erfolgte, stieg Qualm vom Fahrwerk auf, und es lösten sich Reifenteile von der Maschine. Unmittelbar nach dem Stillstand auf dem Rollfeld eilten Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst zur Boeing. Die anschließende Begutachtung ergab Schäden an Reifen, Fahrwerk sowie am Heckteil des Rumpfes. Trotz dieser erheblichen Beschädigungen blieb die Besatzung sowie die Passagiere laut Vietnam Airlines unverletzt, was angesichts der Schwere des Zwischenfalls als bemerkenswert gilt.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Vorgeschichte des Fluges verlief zunächst unauffällig, bis der Startvorgang begann. Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt betonte, dass das Flugzeug offensichtlich nicht die erforderliche Beschleunigung erreichte, die für ein sicheres Abheben innerhalb der vorgesehenen Distanz notwendig gewesen wäre. Die Maschine befand sich zum Zeitpunkt des Abhebens an ihrem Leistungslimit. Großbongardt zog in diesem Zusammenhang Parallelen zu einem ähnlichen Vorfall aus dem Jahr 2009 in Australien, bei dem ein Airbus A340 von Emirates aufgrund fehlerhafter Eingaben des Startgewichts in den Bordcomputer mit dem Heck den Boden berührte. Auch im aktuellen Fall in München schließt der Experte menschliches Versagen nicht aus. Der Kapitän der Vietnam-Airlines-Maschine traf nach dem missglückten Start die Entscheidung, den Flug nach Hanoi abzubrechen. Über zwei Stunden kreiste das Flugzeug über dem Großraum München, um durch das Ablassen von Kerosin das Landegewicht für eine sichere Notlandung zu reduzieren. Die Fluggesellschaft erklärte, dass die Besatzung alle vorgeschriebenen Verfahren eingehalten habe und sprach lediglich von einem technischen Problem.

Die Beteiligten und ihre Rollen

In den Vorfall sind verschiedene Institutionen und Personen involviert. Die Fluggesellschaft Vietnam Airlines äußerte sich offiziell zum Vorfall, entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten und betonte, dass es den Passagieren und der Besatzung gut gehe. Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt ordnete den Vorfall in Interviews, unter anderem gegenüber dem BR, fachlich ein und warnte vor der Schwere der Situation. Willi Willmann, Polizeireporter des BR, begleitete den Vorfall medial. Seitens der Behörden ist die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) die entscheidende Instanz, die nun die technische Aufarbeitung leitet. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) bestätigte die Beschädigungen an der Bodenbefeuerung. Zudem sind die Flughafenbetreiber in München in die Aufarbeitung eingebunden, da die Infrastruktur des Flughafens durch den Tailstrike und das Abheben im Grasbereich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Passagiere und die Besatzung, die sich an Bord der Boeing 787 befanden, sind die unmittelbar Betroffenen, deren Aussagen und Erlebnisse ebenfalls Teil der laufenden Untersuchungen sein dürften.

Einordnung der Ereignisse

Einzuordnen ist der Vorfall als äußerst kritisch. Experten wie Großbongardt bewerten die Situation als "wirklich knapp" und verweisen auf die reale Gefahr eines Absturzes kurz nach dem Start. Dass die Maschine trotz des Tailstrikes und des Abhebens auf unbefestigtem Untergrund noch in die Luft gelangte, wird als glücklicher Umstand gewertet. Den Berichten zufolge hätte eine geringfügige Abweichung in der Steuerung oder der Leistung dazu führen können, dass die Maschine das Ende der Startbahn nicht hätte überwinden können. Die Tatsache, dass das Flugzeug erst 120 Meter hinter der Bahn abhob, unterstreicht die Schwere des Fehlers. Die Parallelen zu früheren Unfällen, bei denen falsche Gewichtsangaben im Bordcomputer zu Tailstrikes führten, legen nahe, dass die Ursache möglicherweise in der Vorbereitung des Fluges zu suchen ist. Die Einordnung als technisches Problem, wie von der Airline kommuniziert, ist nach Ansicht von Experten kritisch zu hinterfragen, da menschliches Versagen bei der Datenkonfiguration als eine der wahrscheinlichsten Ursachen für derartige Diskrepanzen bei der Startgeschwindigkeit gilt.

Offene Fragen und Lücken

Der vorliegende Sachverhalt lässt einige wesentliche Fragen offen, die erst durch die laufenden Untersuchungen beantwortet werden können. So ist bislang nicht geklärt, ob tatsächlich ein Fehler bei der Eingabe des Startgewichts vorlag oder ob ein technischer Defekt an den Triebwerken oder der Sensorik der Boeing 787 die mangelnde Beschleunigung verursachte. Auch bleibt unklar, warum die Befeuerungsanlage derart schwer beschädigt wurde und ob dies bereits beim ersten Bodenkontakt geschah oder erst beim Überrollen des Grasbereichs. Zudem ist offen, wie die Passagiere die Situation an Bord wahrgenommen haben und ob es während der zweistündigen Warteschleife über München zu weiteren technischen Komplikationen kam, die über die Schäden am Fahrwerk hinausgingen. Die genaue Kommunikation zwischen Cockpit und Tower während der kritischen Startphase ist ebenfalls noch nicht öffentlich bekannt. Diese Lücken in der Informationslage verdeutlichen, warum eine detaillierte Auswertung der Flugdatenschreiber und Voicerecorder durch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung zwingend erforderlich ist, um ein vollständiges Bild der Ereignisse zu erhalten.

Wie es weitergeht

Die Aufarbeitung des Vorfalls steht erst am Anfang. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hat die Ermittlungen aufgenommen, um den genauen Hergang zu rekonstruieren. Dabei werden die Flugdatenschreiber und Voicerecorder ausgewertet, um zu klären, welche Informationen den Piloten im Cockpit vorlagen und wie diese auf die mangelnde Beschleunigung reagierten. Diese Untersuchung wird nach Einschätzungen von Experten voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen. Erst nach Abschluss dieser Analyse wird es möglich sein, eine abschließende Ursache für den Tailstrike und den gefährlichen Start zu benennen. Bis dahin bleibt die Maschine am Flughafen München, wo sie vermutlich einer eingehenden technischen Untersuchung unterzogen wird, um die Schäden am Rumpf und Fahrwerk zu dokumentieren. Die Fluggesellschaft Vietnam Airlines wird zudem intern prüfen müssen, wie es zu dem "technischen Problem" kommen konnte, und ob Anpassungen an den Startverfahren für den Dreamliner notwendig sind, um vergleichbare Vorfälle in der Zukunft auszuschließen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/wahrzeichen-stadion-deutschland-arena-27110089/ · Foto: Red Nguyen
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/bayern/notlandung-flughafen-muenchen-interview-100.html