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Drei Ministerpräsidenten und ihre geeinte Botschaft an Merz
Schlagzeilen · 30.07.2026 21:43

Drei Ministerpräsidenten und ihre geeinte Botschaft an Merz

Kurz: Drei CDU-Ministerpräsidenten aus Ostdeutschland fordern von Bundeskanzler Merz eine Anpassung der Sozialreformen an die spezifischen Bedingungen der Region.

Ein gemeinsames Signal aus dem Osten

In einer konzertierten Aktion haben die CDU-Ministerpräsidenten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – Michael Kretschmer, Sven Schulze und Mario Voigt – ihre Kritik an den geplanten Sozialreformen der Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz formuliert. In einem gemeinsamen Positionspapier, das am Geiseltalsee vorgestellt wurde, fordern sie eine stärkere Berücksichtigung der ostdeutschen Lebenswirklichkeit. Die Region wird dabei als „Frühwarnsystem der Republik“ bezeichnet, da demografische Herausforderungen hier bereits heute deutlicher zutage treten als in anderen Teilen Deutschlands.

Kernpunkte der Kritik: Rente und Pflege

Die Ministerpräsidenten betonen, dass bei bundesweiten Reformvorhaben zwingend geprüft werden müsse, wie sich diese auf die spezifischen Bedingungen in den neuen Bundesländern auswirken. Ein zentraler Streitpunkt ist die Rentenpolitik. Die drei Landeschefs plädieren nachdrücklich für die Beibehaltung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Diese Forderung wird als existenziell eingestuft, insbesondere vor dem Hintergrund niedrigerer Einkommen und geringerer Erbschaften in der ostdeutschen Bevölkerung.

Auch im Bereich der Pflege fordern die Politiker Anpassungen. Die Eigenanteile für stationäre Pflegeeinrichtungen müssten sich an der individuellen Leistungsfähigkeit orientieren. Ziel sei es, die finanzielle Belastung für Betroffene planbar und begrenzt zu halten. Zudem wird ein Ausbau der häuslichen Pflege gefordert, flankiert von einem Abbau bürokratischer Hürden und einer zentralisierten Beratung.

Familienpolitik als Reformhebel

Neben der Rente und Pflege steht die Familienpolitik im Fokus des Forderungskatalogs. Die Ministerpräsidenten fordern eine konsequente Ausrichtung des Steuerrechts auf Familienfreundlichkeit. Ein konkreter Vorschlag sieht eine deutliche Entlastung von Familien mit drei oder mehr Kindern vor, bis hin zur vollständigen Freistellung eines Elternteils von der Einkommensteuer. Michael Kretschmer unterstrich in diesem Zusammenhang die Lebensleistung der Generation, die nach 1990 den Aufbau im Osten maßgeblich gestaltet hat und nun vor der Herausforderung steht, mit geringen Renten hohe Pflegekosten zu bewältigen.

Politischer Druck vor den Landtagswahlen

Die Initiative der drei Ministerpräsidenten findet in einer politisch angespannten Phase statt. Mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen im Osten wächst der Druck auf die CDU. Sven Schulze, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, kündigte an, dass man sich in vielen Punkten gegen die Berliner Pläne stellen werde, sollte keine Anpassung an die ostdeutschen Gegebenheiten erfolgen.

Die politische Stimmung in der Region ist derzeit durch Unsicherheit geprägt. Dies zeigt sich auch an personellen Konsequenzen innerhalb der Partei, wie dem Rücktritt der Brandenburger JU-Landesvorsitzenden Laura Strohschneider. Für die CDU-Landesverbände, die sich in einem schwierigen Wahlkampf befinden, wirken die Berliner Reformpläne laut den Ministerpräsidenten wie Zündstoff. Die Forderungen aus dem Osten sind somit nicht nur als inhaltliche Korrektur, sondern auch als Signal an die Bundespartei zu verstehen, die Interessen der ostdeutschen Wählerschaft stärker in den Fokus zu rücken.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-manner-sitzung-sitzen-6949924/ · Foto: Werner Pfennig
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/cdu-osten-ministerpraesidenten-druck-merz-100.html