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Die Verbindungen des CSD-Attentäters nach Mauretanien
Schlagzeilen · 30.07.2026 15:49

Die Verbindungen des CSD-Attentäters nach Mauretanien

Kurz: Der mutmaßliche CSD-Attentäter Abdul B. plante eine Ausreise nach Mauretanien. Ermittlungen zeigen Verbindungen zu einem radikalen Prediger aus Berlin.

Ein geplanter Weg in den Dschihad

Der mutmaßliche Attentäter des Berliner Christopher Street Day (CSD), Abdul B., stand bereits vor seiner Tat im Fokus der Sicherheitsbehörden. Nach seiner Rückkehr aus dem Ausland im November 2025 wurde er am Flughafen festgenommen. Ermittlungen des Landeskriminalamtes (LKA) Berlin und des Bundeskriminalamtes (BKA) zeichnen das Bild eines Mannes, der versucht hatte, sich radikalen Strukturen im Ausland anzuschließen. Sein Ziel war Mauretanien, ein Land, das laut Sicherheitsbehörden zunehmend als Rückzugsort und Sprungbrett für europäische Islamisten fungiert.

In seiner Vernehmung versuchte Abdul B. zunächst, seine Reisen zu verschleiern. Er gab an, lediglich Urlaub gemacht zu haben, um das Wetter und den Strand zu genießen. Gleichzeitig bezeichnete er Mauretanien als das „neue Ägypten“ für das Studium des Islam. Die Realität hinter diesen Aussagen war jedoch eine andere: Nach Angaben der Ermittler war das Ziel des Berliners, sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen.

Mauretanien als neuer Anziehungspunkt

Die Sicherheitsbehörden beobachten mit Sorge, dass sich der Nordwesten Afrikas zu einem neuen Tummelplatz für die islamistische Szene entwickelt. Während klassische Zielländer wie Syrien, der Irak oder Pakistan nach dem Niedergang des IS an Bedeutung verloren haben, bieten abgelegene Regionen in Ländern wie Mauretanien, Mali oder Burkina Faso neue Möglichkeiten.

Eine Analyse des LKA Berlin aus dem Oktober 2025 unterstreicht diese Einschätzung. Demnach dienen Koranschulen und islamische Bildungseinrichtungen in Mauretanien nicht nur der religiösen Lehre, sondern fungieren mutmaßlich als Kontaktbörsen. Hier können sich junge Salafisten aus dem Westen vernetzen und Anschluss an dschihadistische Gruppen finden. In den sozialen Medien werben Anhänger der Szene aktiv für das Leben in der Abgeschiedenheit, um der „Fitna“, den Versuchungen der modernen westlichen Welt, zu entkommen.

Die Rolle des Mentors

Ein zentraler Faktor in der Radikalisierung von Abdul B. war der Kontakt zu dem deutsch-ägyptischen Prediger Amir Abo A. Der 1996 in Berlin geborene A. galt bereits vor seiner Ausreise nach Mauretanien Ende 2024 als einflussreiche Figur in der radikalislamischen Szene der Hauptstadt. Er nutzte Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube, um seine Anhänger für die salafistische Ideologie zu gewinnen.

Der Prediger stand bereits im Visier des Verfassungsschutzes, unter anderem durch seine Tätigkeit für den Verein „Deutschsprachige Muslimische Gemeinschaft (DMG) e.V.“, der im Juni 2024 vom niedersächsischen Innenministerium verboten wurde. Kurz nach Durchsuchungen in seinem Berliner Umfeld setzte sich A. nach Mauretanien ab.

Intensive Kommunikation vor der Ausreise

Die Verbindung zwischen Abdul B. und Amir Abo A. war eng. Gemeinsame Pilgerreisen nach Saudi-Arabien und ein intensiver Austausch über Sprachnachrichten belegen das enge Vertrauensverhältnis. In den Chats beriet der Prediger den jungen Berliner bei der Planung seiner Ausreise. Er gab Tipps zur Wohnungssuche und verwies auf günstige Lebenshaltungskosten sowie die Möglichkeit, in einem Gästehaus für Koranschüler, einer sogenannten „Mahdara“, unterzukommen.

Der Versuch von Abdul B., im Mai 2025 in Mauretanien Fuß zu fassen, scheiterte jedoch bereits kurz nach der Ankunft am Flughafen von Nouakchott. Mauretanische Grenzbeamte verweigerten ihm die Einreise und schickten ihn zurück nach Deutschland. Dass Abdul B. bereits zu diesem Zeitpunkt fest entschlossen war, zeigt ein Abschiedsschreiben an seine Eltern, das er vor seinem Abflug hinterließ.

Vom gescheiterten Ausreisewillen zum Anschlag

Zurück in Berlin versuchte Abdul B., seine Verbindungen zu dem Prediger und seine radikalen Absichten zu leugnen. Er behauptete gegenüber der Polizei, er lerne den Islam eigenständig und folge keinem Prediger. Auch die Existenz des IS stellte er in Abrede.

Die Ermittlungen nach dem Anschlag auf den CSD im Juli 2026 entlarvten diese Aussagen jedoch als Schutzbehauptungen. Auf dem Mobiltelefon des Täters fanden die Ermittler ein Video, das kurz vor der Tat aufgenommen wurde. Darin ist Abdul B. vermummt zu sehen, wie er der Terrormiliz IS die Treue schwört. Die Sicherheitsbehörden hatten ihn bereits vor der Tat als „Hochrisikoperson“ eingestuft, konnten den Anschlag jedoch nicht verhindern. Die weiteren Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die Strukturen, die junge Menschen in Berlin radikalisieren und die Verbindungen zu den Netzwerken in Mauretanien aufrechterhalten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/37080568/ · Foto: Mahmut Yılmaz
Quelle: https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/csd-attentaeter-mauretanien-100.html