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?Der große Bär und seine Gestirne" - Palais gedenkt Rowohlts
Regional · 16.10.2026 08:45

?Der große Bär und seine Gestirne" - Palais gedenkt Rowohlts

Kurz: Das Kasseler Palais Bellevue präsentiert ein vielfältiges Programm: Von Nahost-Analysen über afrikanische Literatur bis hin zum Gedenken an Harry Rowohlt.

Ein vielfältiges Kulturprogramm im Palais Bellevue

Das Kasseler Kulturhaus Palais Bellevue in der Schönen Aussicht 2 steht in der Woche nach den Herbstferien im Zentrum eines breit gefächerten kulturellen und gesellschaftspolitischen Programms. Vom 20. bis zum 25. Oktober 2026 bietet die historische Spielstätte eine Bühne für unterschiedliche Schwerpunkte, die von der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Nahost-Konflikt über die Etablierung einer internationalen afrikanischen Buchmesse bis hin zur literarischen Würdigung des vielseitigen Künstlers Harry Rowohlt reichen. Die Veranstaltungsreihe spiegelt dabei den Anspruch wider, das Palais als Ort des Austauschs, der Bildung und der künstlerischen Reflexion zu nutzen. Während der Nahost-Konflikt durch eine psychoanalytische Perspektive beleuchtet wird, zielt die Buchmesse darauf ab, Kassel als dauerhaften Standort für den afrikanischen Literaturdialog zu etablieren. Den Abschluss bildet eine persönliche Hommage an einen engen Freund der Stadt, der durch seine zahlreichen Rollen als Übersetzer, Autor und Schauspieler in Erinnerung bleibt. Begleitet wird das Programm durch die laufende Ausstellung „Licht berührt“ von Barbara Beisinghoff, die das Palais Bellevue visuell durch ihre handgeschöpften Wasserzeichenpapiere prägt. Die Stadt Kassel lädt Interessierte ein, diese vielfältigen Angebote wahrzunehmen, wobei der Eintritt bei den meisten Veranstaltungen frei ist oder um Spenden gebeten wird.

Wissenschaftliche Perspektiven auf den Nahost-Konflikt

Den Auftakt der Veranstaltungsreihe bildet am Dienstag, den 20. Oktober 2026, um 19.30 Uhr der Vortrag „Brutale Nachbarn. Wie Emotionen den Nahostkonflikt antreiben – und entschärfen können“. Der israelische Wissenschaftshistoriker und Politologe José Brunner stellt dabei sein gleichnamiges Buch zur Diskussion. Im Rahmen der Reihe „Psychoanalyse unterwegs“, die vom Alexander Mitscherlich Institut Kassel (DPV) in Kooperation mit dem Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Kassel e.V. veranstaltet wird, widmet sich Brunner der Frage, warum politische Kompromissvorschläge im Israel-Palästina-Konflikt immer wieder scheitern. Er beschreibt die Situation als einen „Krieg der Emotionen“ und versucht, durch die Einbeziehung psychologischer und psychoanalytischer Erkenntnisse neue Wege aus diesem festgefahrenen Teufelskreis aufzuzeigen. Der Vortrag richtet sich an ein Publikum, das bereit ist, politische Konflikte nicht nur durch eine rein machtpolitische, sondern auch durch eine emotionale Linse zu betrachten. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei, jedoch wird um Spenden gebeten, um die Fortführung der Reihe zu unterstützen. Diese Zusammenführung von politischer Analyse und psychologischer Tiefe unterstreicht den Anspruch der Veranstalter, komplexe globale Krisen in einem lokalen Kontext differenziert und interdisziplinär zu beleuchten.

Die Internationale Afrikanische Buchmesse in Kassel

Ein weiterer zentraler Pfeiler der Veranstaltungswoche ist die Premiere der Internationalen Afrikanischen Buchmesse, die vom 22. bis zum 24. Oktober 2026 das Palais Bellevue in einen Raum für Begegnung und Austausch verwandelt. Das Ziel dieser Initiative ist es, eine jährliche Plattform zu schaffen, die Autoren, Verleger, Wissenschaftler und Literaturbegeisterte zusammenbringt. Das Programm deckt dabei ein breites Spektrum ab, das von Theater, Poesie und Romanen bis hin zu Kinderliteratur und Comics reicht. Der Donnerstag beginnt mit einem Workshop zur „Namensgebung und Kulturellen Vermittlung“, gefolgt von einer offiziellen Eröffnungszeremonie um 17 Uhr. Der erste Tag schließt mit einem Poetry Slam und einem Vortrag von Veronique Kouassi über postkoloniale Literatur und Identitätskämpfe. Der Freitag widmet sich intensiv der afrikanischen Erzählkunst und dem Theater, wobei ein vierstündiger Workshop sowie ein Vortrag von Napo und Yem Yem über mündliche Traditionen den Kern bilden. Den Abschluss des zweiten Tages markiert ein mehrsprachiger Märchenabend mit Musik und Tanz. Am Samstag stehen Vorträge zur Dekolonisation Afrikas, zu Masken aus Benin und zum Widerstandskönig Béhanzin auf der Agenda, bevor die Messe mit einer offenen Bühne und einem literarischen Dinner endet.

Ein Abend für Harry Rowohlt

Am Sonntag, den 25. Oktober 2026, um 19.30 Uhr findet in der Remise des Palais Bellevue eine besondere Veranstaltung statt: „Der große Bär und seine Gestirne – ein Abend für Harry Rowohlt“. Die drei Freunde und Kollegen des verstorbenen Künstlers, Gerhard Henschel, Christian Maintz und Frank Schulz, lesen Texte von und über den vielseitigen Hamburger. Rowohlt, der als Übersetzer, Rezitator, Autor, Kolumnist und Schauspieler – etwa aus der Lindenstraße – bekannt war, pflegte eine enge Verbindung zu Kassel. Er war unter anderem Mitglied im Stiftungsrat der Kasseler Stiftung Brückner-Kühner, die den renommierten Literaturpreis für grotesken Humor verleiht. Diese Veranstaltung wird von der Stiftung Brückner-Kühner in Kooperation mit der Caricatura und dem Literaturhaus Kassel organisiert. Tickets für diesen Abend sind online über den Anbieter Yesticket ab einem Preis von 9 Euro erhältlich. Die Lesung dient nicht nur dem Gedenken an einen bedeutenden Literaten, sondern würdigt auch dessen nachhaltigen Einfluss auf das kulturelle Leben der Stadt Kassel. Es ist ein Abend, der sowohl die humoristische als auch die intellektuelle Seite Rowohlts beleuchten soll und die langjährige Verbundenheit zwischen dem Künstler und der nordhessischen Metropole in den Mittelpunkt stellt.

Einordnung der kulturellen Aktivitäten

Die Zusammenstellung dieser Veranstaltungsreihe lässt sich als Versuch einordnen, das Palais Bellevue als ein lebendiges Zentrum für zeitgenössische Diskurse zu etablieren. Indem das Programm politische Analysen mit der Förderung afrikanischer Literatur und der Pflege lokaler literarischer Traditionen verknüpft, wird ein breites Publikum angesprochen. Den Berichten zufolge ist die Etablierung der Afrikanischen Buchmesse als jährliches Ereignis ein strategischer Schritt, um Kassel stärker in den internationalen kulturellen Austausch einzubinden. Die Einbeziehung von Fachinstituten wie dem Alexander Mitscherlich Institut verleiht den politischen Veranstaltungen zudem eine wissenschaftliche Fundierung. Die Ausstellung von Barbara Beisinghoff, die das Palais bereits seit geraumer Zeit prägt, fungiert dabei als verbindendes Element, das den Raum zwischen Innen und Außen thematisiert. Einzuordnen ist das Gesamtprogramm als ein Angebot, das sowohl zur intellektuellen Auseinandersetzung als auch zur kulturellen Teilhabe einlädt. Die Vielfalt der Formate – von Workshops über Vorträge bis hin zu Lesungen und Märchenabenden – zeigt den Anspruch, Kultur nicht nur zu präsentieren, sondern aktiv erlebbar zu machen und den Dialog zwischen verschiedenen Disziplinen und Kulturen zu fördern.

Offene Fragen und kommende Entwicklungen

Obwohl das Programm für die Woche nach den Herbstferien detailliert ausgearbeitet ist, bleiben einige Fragen offen. So ist beispielsweise nicht explizit geklärt, welche langfristigen Auswirkungen die Internationale Afrikanische Buchmesse auf die Kasseler Literaturlandschaft haben wird oder welche konkreten Kriterien für die Auswahl der Themen und Referenten ausschlaggebend waren. Auch die Kapazitätsgrenzen für die einzelnen Veranstaltungen, insbesondere bei den Workshops, werden im Quelltext nur teilweise thematisiert. Hinsichtlich der Ausstellung von Barbara Beisinghoff bleibt offen, wie lange diese über den Oktober hinaus noch im Palais Bellevue zu sehen sein wird, da bisher nur die aktuellen Öffnungszeiten des Spohr Museums genannt wurden. Für den Leporello-Workshop mit Susanne Mihm-Lutz wird lediglich auf eine Warteliste für einen möglichen Folgeworkshop verwiesen, ohne dass ein konkreter Termin für eine solche Wiederholung genannt wird. Die Interessierten sind hier auf die angegebene E-Mail-Adresse verwiesen. Wie es nach der Veranstaltungswoche weitergeht, hängt maßgeblich vom Erfolg der Buchmesse und der Resonanz auf die verschiedenen Vortragsreihen ab, wobei die Veranstalter auf eine Etablierung als jährliche Plattform hoffen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/polizeiauto-nahe-christkindlmarkt-stern-in-wien-29689517/ · Foto: Vladimir Srajber
Quelle: https://www.kassel.de/pressemitteilungen/oktober/palais101626.php