Ein wachsender Widerstand gegen die FIFA-Führung
Die Machtbasis von FIFA-Präsident Gianni Infantino gerät zunehmend ins Wanken. Nachdem bereits die Europäische Fußball-Union (UEFA) deutliche Signale gegen die geplanten Investoren-Deals des Weltverbandes gesetzt hat, schließt sich nun der Kontinentalverband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik (CONCACAF) diesem Kurs an. In einer einstimmigen Entscheidung haben sich die 41 Mitgliedsverbände der CONCACAF gegen die Pläne ausgesprochen, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu veräußern.
Dieser Schritt markiert eine signifikante Eskalation im internen Machtkampf des Weltfußballs. Mit der gemeinsamen Front von UEFA und CONCACAF lehnen mittlerweile 96 der insgesamt 211 FIFA-Mitgliedsverbände die Vorhaben der aktuellen Führung ab.
Kritik an mangelnder Transparenz und Governance
Der Widerstand der CONCACAF richtet sich nicht nur gegen den Inhalt des Investoren-Modells, sondern vor allem gegen die Art und Weise, wie die FIFA die Entscheidungsprozesse steuert. In einer offiziellen Stellungnahme nach einer Sitzung unter der Leitung von Verbandspräsident Victor Montagliani wurden gravierende Bedenken geäußert:
* **Fehlende Entscheidungsprozesse:** Die Mitgliedsverbände kritisieren das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens. Der Vorschlag wurde weder durch die zuständigen FIFA-Gremien geprüft noch offiziell genehmigt.
* **Künstlicher Zeitdruck:** Die von Infantino gesetzte Frist bis zum 19. September wird als unangemessen kurz empfunden.
* **Finanzielle Hinterfragung:** Angesichts der finanziell erfolgreichsten Weltmeisterschaft der Geschichte stellt sich für die Verbände die Frage, warum überhaupt eine Finanzierung durch Private-Equity-Investoren notwendig sein sollte, um bestehende Entwicklungsprogramme wie das „FIFA-Forward-Programm“ zu stützen.
Forderung nach Rückkehr zu den Statuten
Die CONCACAF-Mitglieder, zu denen mit den USA, Kanada und Mexiko die jüngsten Gastgeber der XXL-Weltmeisterschaft gehören, fordern eine Rückkehr zu den geltenden Regeln. Die Ratsmitglieder des Weltverbandes wurden angewiesen, bei der FIFA darauf zu drängen, dass sämtliche Angelegenheiten künftig wieder strikt den Governance-Prozessen über die Verwaltung und den FIFA-Rat folgen.
Statt auf externe Investoren zu setzen, schlägt die CONCACAF vor, die umfangreichen bestehenden FIFA-Reserven zu nutzen, um die Fußballentwicklung in der Region gezielt zu fördern. Damit unterstreicht der Verband seine Haltung, dass das wertvollste Gut des Fußballs in den Händen der Fußballfamilie bleiben müsse.
Die Strategie der FIFA und die Folgen
Berichten zufolge versucht die FIFA-Spitze, die Verbände durch die Aussicht auf hohe finanzielle Zuwendungen und eine weitere Expansion der WM-Turniere von ihrem Kurs zu überzeugen. Für die Umsetzung der Pläne soll laut Informationen eine einfache Mehrheit ausreichen.
Die UEFA hat in diesem Kontext bereits die „maximale Eskalation“ gewählt und mit einem Boykott sämtlicher FIFA-Turniere gedroht, sollte das Vorhaben zum Verkauf von WM-Anteilen weiterverfolgt werden. Da die CONCACAF nun ebenfalls eine klare Ablehnung signalisiert hat, steht Infantino unter massivem Druck. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der FIFA-Präsident an seinem Zeitplan festhält oder ob der wachsende Widerstand der einflussreichen Kontinentalverbände zu einer grundlegenden Neuausrichtung der Strategie führt.