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Branchenbündnis setzt auf Open Access statt staatlicher Regulierung
Technik · 07.08.2026 08:24

Branchenbündnis setzt auf Open Access statt staatlicher Regulierung

Kurz: Ein Bündnis aus Stadtwerken und Providern will den Glasfaserausbau durch freiwillige Netzöffnungen statt durch staatliche Regulierung vorantreiben.

Ein neuer Ansatz für den Breitbandausbau

Ein Zusammenschluss aus Stadtwerken und regionalen Telekommunikationsanbietern hat eine Initiative gestartet, um den Glasfaser- und Mobilfunkausbau in Deutschland maßgeblich zu beschleunigen. Anstatt auf neue staatliche Eingriffe zu warten, schlagen die Verbände BDEW, Breko und VKU ein sogenanntes „Fairplay-Agreement“ vor. Die beteiligten Unternehmen, die zusammen fast 60 Prozent der Glasfaseranschlüsse hierzulande repräsentieren, setzen dabei auf das Prinzip der freiwilligen Kooperation.

Das Kernkonzept: Open Access als Lösung

Im Zentrum der Initiative steht das Konzept des „Open Access“. Bisher scheitert eine flächendeckende Versorgung häufig an ineffizienten Strukturen. Oft werden Straßen mehrfach aufgerissen, um parallele Glasfaserkabel verschiedener Anbieter zu verlegen, oder vorhandene Netze bleiben für Wettbewerber verschlossen.

Die Verbände schlagen vor, dass Festnetzanbieter ihre Leitungen für Konkurrenten zu fairen und einheitlichen Konditionen öffnen. Im Gegenzug fordern sie von den großen Mobilfunknetzbetreibern eine Öffnung ihrer 5G-Infrastruktur und Masten. Dies soll es ermöglichen, nahtlose Kombi-Angebote aus Festnetz und Mobilfunk zu realisieren, was den Wettbewerb beleben und die Attraktivität für Endkunden steigern könnte.

Widerstand gegen staatliche Regulierung

Der Vorstoß der Verbände ist eine direkte Reaktion auf die Pläne der Bundesregierung. Diese erwägt, den Netzzugang künftig über den Paragrafen 22a des Telekommunikationsgesetzes (TKG) sowie durch die Bundesnetzagentur strenger zu reglementieren. Die Branche sieht in einer solchen behördlichen Steuerung jedoch ein Risiko: Sie befürchtet, dass die damit verbundene Unsicherheit potenzielle Investoren abschrecken könnte.

Die Rolle der Deutschen Telekom

Obwohl der Marktführer Deutsche Telekom im „Fairplay-Agreement“ nicht explizit namentlich genannt wird, gilt der Bonner Konzern als zentraler Adressat der Initiative. Die regionalen Anbieter kritisieren insbesondere den sogenannten Doppelausbau, bei dem die Telekom in bereits erschlossenen Gebieten eigene Infrastruktur errichtet. Die Forderung nach fairem Zugang zum Mobilfunknetz der Telekom zielt darauf ab, die Marktposition der kleineren Akteure zu stärken.

Die Deutsche Telekom weist den Vorwurf eines unfairen Wettbewerbsverhaltens regelmäßig zurück. Der Konzern betont, dass ein eigenwirtschaftlicher Netzausbau und freier Wettbewerb die besten Garanten für eine hochwertige Infrastruktur und eine breite Anbieterauswahl für die Verbraucher seien.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Sollte sich das Bündnis mit seinem Vorschlag durchsetzen, könnten Nutzer von einer Reihe praktischer Vorteile profitieren:

* **Größere Auswahl:** Durch die Öffnung der Netze können Kunden auf demselben Anschluss zwischen verschiedenen Anbietern wählen.

* **Weniger Baustellen:** Die geteilte Nutzung bestehender Infrastruktur reduziert die Notwendigkeit für parallele Tiefbauarbeiten in Wohngebieten.

* **Einfachere Wechsel:** Durch standardisierte Prozesse wird der Anbieterwechsel für Endkunden unkomplizierter.

Nächste Schritte und politische Einordnung

Die Verbände haben das Digitalministerium sowie die Bundesnetzagentur dazu aufgefordert, den Dialog zwischen den Marktteilnehmern zu moderieren und entsprechende Verhandlungen einzuleiten. Ob dieser freiwillige Weg ausreicht, um die gesetzgeberischen Ambitionen der Regierung zu stoppen, bleibt abzuwarten. Die weitere Entwicklung hängt nun davon ab, ob sich die verschiedenen Akteure auf ein verbindliches Regelwerk einigen können, das sowohl die Investitionsanreize schützt als auch den Wettbewerb fördert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-laptop-internet-tippen-6633283/ · Foto: Cup of Couple
Quelle: https://www.heise.de/news/Fairplay-Vereinbarung-soll-Internet-Ausbau-beschleunigen-11402705.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag