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Beliebte Klimaanlage: Firmware-Lücke in Midea Portasplit ermöglicht Fernsteuerung
Technik · 19.08.2026 08:59

Beliebte Klimaanlage: Firmware-Lücke in Midea Portasplit ermöglicht Fernsteuerung

Kurz: Eine Sicherheitslücke in der Midea Portasplit erlaubt die Fernsteuerung via Bluetooth. Angreifer können Einstellungen ohne PIN-Eingabe manipulieren.

Was geschehen ist: Sicherheitslücke in populärer Klimaanlage

Die Midea Portasplit, ein derzeit besonders gefragtes Klimagerät auf dem Markt, weist eine gravierende Sicherheitslücke in ihrer Firmware auf. Wie Berichte unter Berufung auf einen anonymen Hinweisgeber nahelegen, ist es Unbefugten möglich, die Kontrolle über die Geräte zu übernehmen, ohne dass eine vorherige Autorisierung oder ein Pairing-Prozess erforderlich wäre. Die Schwachstelle betrifft die Bluetooth-Schnittstelle der Klimaanlagen. Da die Kommunikation über den Standard Bluetooth Low Energy (BLE) abgewickelt wird, können Angreifer, die sich in unmittelbarer räumlicher Nähe zum Gerät befinden, Steuerbefehle senden. Dies geschieht völlig unabhängig von den sonst üblichen Sicherheitsmechanismen wie der PIN-Eingabe oder einer WLAN-Kopplung. Der Vorfall unterstreicht die Risiken, die mit der zunehmenden Vernetzung von Haushaltsgeräten einhergehen, da hierbei oft Sicherheitsstandards vernachlässigt werden, die bei anderen IT-Komponenten längst als obligatorisch gelten. Nutzer der Midea Portasplit müssen sich derzeit darauf einstellen, dass ihr Gerät von Personen in der direkten Umgebung manipuliert werden könnte, was insbesondere in dicht besiedelten Wohngebieten ein erhebliches Störpotenzial birgt.

Die Einzelheiten: Funktionsweise der Schwachstelle

Technisch gesehen basiert die Sicherheitslücke auf einer Programmierschnittstelle mit der Bezeichnung "com.midea.oem.iot.sdk.ble". Diese Schnittstelle ist für die Kommunikation via Bluetooth Low Energy zuständig. Obwohl die Befehle, die an die Klimaanlage gesendet werden, durch den AES-Algorithmus verschlüsselt sind, erweist sich dieser Schutz als unzureichend. Der erforderliche kryptografische Schlüssel lässt sich nämlich aus den Broadcast-Daten ableiten, die das Klimagerät kontinuierlich in seine Umgebung aussendet. Sobald ein Angreifer diesen Schlüssel berechnet hat, kann er mittels einer speziellen App oder eines entsprechenden Command-Line-Interface (CLI) eigene Befehle an das Gerät senden. Die Möglichkeiten der Manipulation sind dabei vielfältig: Ein Angreifer kann das Gerät nach Belieben ein- oder ausschalten, den Betriebsmodus zwischen Kühlen und Heizen wechseln oder die Zieltemperatur verändern. Da die Reichweite von Bluetooth auf etwa zehn Meter begrenzt ist, ist ein Angriff aus großer Distanz zwar ausgeschlossen, doch für Nachbarn oder Passanten in unmittelbarer Nähe bietet sich eine einfache Angriffsfläche, um die Klimatisierung der Räumlichkeiten gezielt zu stören.

Hintergrund: Vom Wunsch nach Komfort zur Sicherheitslücke

Die Midea Portasplit wurde konzipiert, um dem Nutzer maximalen Komfort zu bieten. Üblicherweise erfolgt die Steuerung über eine mitgelieferte Infrarot-Fernbedienung, das Tastenfeld direkt am Gehäuse oder die herstellereigene App "Midea Air". Die App-Steuerung, die über das WLAN-Netzwerk des Nutzers läuft, sieht eigentlich eine Kopplung vor, bei der ein physischer Zugriff auf das Gerät notwendig ist. Nach einer solchen Kopplung kann der Zugriff zusätzlich durch eine PIN geschützt werden, um unberechtigte Zugriffe zu unterbinden. Dass nun ausgerechnet die Bluetooth-Schnittstelle, die eigentlich für eine bequeme Inbetriebnahme gedacht ist, eine solche Sicherheitslücke aufweist, ist ein klassisches Beispiel für die Komplexität moderner IoT-Geräte. Die Schnittstelle wurde offenbar nicht ausreichend gegen unbefugte Adressierung abgesichert. Während die WLAN-Verbindung durch die PIN-Abfrage einen gewissen Schutz bietet, umgeht die Bluetooth-Schwachstelle diese Barrieren vollständig, da sie auf einer anderen Kommunikationsebene operiert, die vom Hersteller offenbar nicht mit denselben strengen Sicherheitsvorgaben versehen wurde wie die Cloud-Anbindung.

Die Beteiligten: Midea, Sicherheitsforscher und Anwender

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht der Hersteller Midea, der zunächst die Brisanz der Sicherheitslücke unterschätzt hatte. Das Unternehmen ging ursprünglich davon aus, dass ein Angriff zwingend einen physischen Zugriff, ein Zurücksetzen der Kopplung sowie das Aushebeln der nutzerdefinierten PIN erfordern würde. Erst nach der Intervention durch Experten, die deutlich machten, dass die Bluetooth-Lücke völlig unabhängig von diesen Sicherheitsbarrieren existiert, lenkte der Hersteller ein. Auf der Seite der Anwender sind vor allem Besitzer der Portasplit-Klimaanlagen betroffen, die nun auf ein Update warten müssen. Zudem gibt es eine Community von Entwicklern, die sich für die technische Seite der Steuerung interessieren. Ein chinesischer Entwickler hat beispielsweise auf der Plattform GitHub ein Projekt veröffentlicht, das ein CLI und eine Android-App zur Fernsteuerung der Geräte bereitstellt. Dieses Projekt zeigt, wie leicht die Kommunikation mit den Geräten nachvollzogen werden kann, wenn die internen Protokolle erst einmal entschlüsselt sind. Die Kommunikation zwischen den Sicherheitsforschern, die das Problem aufdeckten, und dem Hersteller war dabei entscheidend für die Einleitung der notwendigen Korrekturmaßnahmen.

Einordnung: Was bedeutet das für das Smart Home?

Einzuordnen ist das so: Die Sicherheitslücke bei der Midea Portasplit ist ein prägnantes Beispiel für die Herausforderungen der "Smart Home"-Sicherheit. Den Berichten zufolge zeigt sich hier eine Diskrepanz zwischen der Benutzerfreundlichkeit, die eine schnelle und unkomplizierte Einrichtung via Bluetooth ermöglichen soll, und der notwendigen Sicherheit gegen externe Angriffe. Dass ein Gerät, das eigentlich durch eine PIN geschützt sein sollte, über einen Hintertür-ähnlichen Bluetooth-Kanal manipuliert werden kann, ist ein Sicherheitsmanko, das das Vertrauen der Nutzer in solche Systeme untergraben kann. Es zeigt, dass Hersteller bei der Implementierung von Funkstandards wie BLE oft nicht die gleiche Sorgfalt walten lassen wie bei der Absicherung ihrer Cloud-Infrastruktur. Für den Anwender bedeutet dies, dass die physische Sicherheit des Standortes – etwa die Nähe zur Straße oder zu nachbarschaftlichen Fenstern – plötzlich eine Rolle für die IT-Sicherheit spielt, was bei einem Haushaltsgerät wie einer Klimaanlage kaum intuitiv erwartet wird. Die Schwachstelle ist ein Weckruf an die Branche, die Sicherheit über alle Kommunikationswege hinweg konsistent zu gestalten.

Offene Fragen und wie es weitergeht

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für die betroffenen Nutzer von Bedeutung sind. Es bleibt unklar, ob neben der Midea Portasplit auch andere Klimageräte des Herstellers, die auf ähnliche SDKs oder Bluetooth-Module setzen, von der Sicherheitslücke betroffen sind. Ebenso wird nicht explizit benannt, welche spezifischen Hardware-Revisionen der Portasplit-Serie das Problem aufweisen oder ob es sich um ein generelles Problem der gesamten Produktlinie handelt. Auch die Frage, wie viele Geräte weltweit oder in Deutschland konkret gefährdet sind, wird im Quelltext nicht beantwortet. Was die Zukunft betrifft, so hat Midea bereits reagiert und die Entwicklung eines Over-the-Air-Firmwareupdates (OTA) zugesagt. Dieses Update soll die Sicherheitslücke schließen und die unbefugte Bluetooth-Steuerung unterbinden. Derzeit befindet sich die Software nach Angaben des Herstellers in der Testphase. Ein konkretes Datum für die Veröffentlichung des Updates wurde nicht genannt, jedoch ist mit einer Bereitstellung in naher Zukunft zu rechnen. Bis dahin bleibt den Nutzern nur die Hoffnung, dass keine unbefugten Personen in ihrer direkten Umgebung die Schwachstelle aktiv ausnutzen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/klimaanlage-auf-dem-stadtischen-balkon-32772143/ · Foto: Can Ceylan
Quelle: https://www.golem.de/news/beliebte-klimaanlage-firmware-luecke-in-midea-portasplit-ermoeglicht-fernsteuerung-2608-212073.html