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Bedrohtes Permafrost-Phänomen: Das "Ewige Eis" in Dornburg bleibt wohl nicht für immer
Regional · 05.08.2026 14:26

Bedrohtes Permafrost-Phänomen: Das "Ewige Eis" in Dornburg bleibt wohl nicht für immer

Kurz: Das 'Ewige Eis' in Dornburg ist ein geologisches Unikat. Doch die steigenden Temperaturen setzen dem natürlichen Kältespeicher im Westerwald zunehmend zu.

Ein natürliches Kältesystem im Westerwald

In der hessischen Gemeinde Dornburg-Wilsenroth, gelegen im Landkreis Limburg-Weilburg, findet sich ein geologisches Phänomen, das bei sommerlichen Temperaturen für Erstaunen sorgt. Während die Umgebung unter Hitze leidet, strömt aus den vergitterten Stollen am Fuß einer unscheinbaren Geröllhalde eine beständig kühle Brise. Die Temperaturen messen hier selbst an heißen Tagen weniger als neun Grad. Dieses als „Ewiges Eis“ bekannte Naturphänomen existiert seit mindestens 200 Jahren und wurde 2023 durch eine Onlineabstimmung der Heinz-Sielmann-Stiftung und des Deutschen Wanderverbands zum „Naturwunder des Jahres“ gekürt.

Die Funktionsweise der Kältebox

Das Geheimnis hinter der dauerhaften Vereisung liegt in der physikalischen Beschaffenheit des Berges. Heimatforscher Benno Schopf beschreibt das System als eine Art natürliche Kältebox, die saisonalen Zyklen unterliegt. Die Halde besteht aus massiven Basaltblöcken, zwischen denen sich zahlreiche Hohlräume befinden. Diese sind über Öffnungen am Fuß sowie an der Oberseite des Berges miteinander verbunden.

Durch diese Struktur entsteht eine sogenannte Kaminwirkung, die einen ständigen Luftaustausch ermöglicht:

* **Sommerbetrieb:** Die schwere, kalte Luft aus dem Berginneren sinkt nach unten und tritt an den Stollen aus. Gleichzeitig wird von oben wärmere Luft in den Berg gesaugt.

* **Winterbetrieb:** Der Prozess kehrt sich um. Kalte Außenluft dringt in den Berg ein, kühlt die Eisvorkommen weiter ab und lässt das Eis an Volumen gewinnen. Die wärmere Luft entweicht oben, was dazu führt, dass der Berg selbst bei Schneefall an der Oberfläche schneefrei bleibt.

Historische Bedeutung und aktuelle Ungewissheit

Die Vereisung wurde erstmals im Jahr 1839 wissenschaftlich untersucht und vermessen. Historische Aufzeichnungen belegen, dass sich etwa einen halben Meter unter den Gesteinsblöcken eine massive Eisschicht befindet, die rund zwei Meter in die Tiefe reicht. Darunter schließt sich eine mehrere Meter dicke, dauerhaft gefrorene Bodenschicht an. Diese geologischen Gegebenheiten erklären zudem die ungewöhnlich niedrigen Wassertemperaturen von drei nahegelegenen Quellen.

Wie groß das Eismassiv insgesamt ist, bleibt jedoch unklar. Die letzte detaillierte Untersuchung liegt über 70 Jahre zurück. Aus Gründen des Naturschutzes wurde das Areal seitdem weitgehend sich selbst überlassen. Experten wie Benno Schopf vermuten, dass sich die Eisvorkommen weit durch den Berg ziehen, doch eine exakte Volumenbestimmung ist ohne invasive Eingriffe kaum möglich.

Herausforderungen durch den Klimawandel

Die Bezeichnung „Ewiges Eis“ ist eher symbolisch zu verstehen. Die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen stellt das empfindliche Gleichgewicht des Kältespeichers auf die Probe. Laut Schopf haben besonders heiße Monate wie der Juli einen direkten Einfluss auf die Stabilität des Eiskörpers. Je länger und intensiver die Hitzeperioden anhalten, desto stärker schmilzt das Eis im Inneren ab.

Obwohl das System robust ist, hängt sein Fortbestand von der Regeneration in den Wintermonaten ab. Nur ausreichend lange Frostperioden können den Speicher wieder „aufladen“. Inwieweit sich die klimatischen Veränderungen langfristig auf das Naturdenkmal auswirken, lässt sich derzeit nicht präzise beziffern. Die Beobachtung der Wetterextreme in Hessen, die sich auch in anderen Bereichen wie der Landwirtschaft oder der Schifffahrt auf dem Rhein bemerkbar machen, verdeutlicht jedoch den allgemeinen Druck auf regionale Ökosysteme. Für das Dornburger Phänomen bleibt die Hoffnung, dass die kommenden Winter stark genug ausfallen, um die Substanz des Eises zu bewahren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schnee-strasse-hauser-dorf-14840031/ · Foto: Andreas Ebner
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-bedrohtes-permafrost-phaenomen-das-ewige-eis-in-dornburg-bleibt-wohl-nicht-fuer-immer-100.html