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Bahngewerkschaft macht Druck bei Gesetz zu Sicherheit
Schlagzeilen · 23.08.2026 03:29

Bahngewerkschaft macht Druck bei Gesetz zu Sicherheit

Kurz: Die EVG erhöht den Druck auf die Bundesregierung: Wenn das Gesetz für härtere Strafen bei Angriffen auf Zugpersonal ausbleibt, drohen Streiks im Januar.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat der Bundesregierung ein Ultimatum gestellt, um den Schutz von Zugbegleitern im deutschen Regionalverkehr nachhaltig zu verbessern. Gewerkschaftschef Martin Burkert kündigte an, dass die Arbeitnehmervertretung ab Januar 2027 die Zustimmung zu neuen Dienstplänen verweigern werde, sollte die Politik bis dahin keine gesetzlichen Verschärfungen beim Strafmaß für Übergriffe auf Bahnpersonal auf den Weg gebracht haben. Diese drastische Drohung ist die direkte Reaktion auf eine aus Sicht der Gewerkschaft unzureichende Umsetzung politischer Versprechen. Die EVG fordert, dass die Bundesregierung noch im laufenden Kalenderjahr 2026 einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Bundestag einbringt. Sollte dies nicht geschehen, droht die Gewerkschaft mit einer Blockade, die den Betrieb im Regionalverkehr empfindlich stören könnte. Burkert unterstrich, dass die Zeit der bloßen Absichtserklärungen vorbei sei und nun konkrete legislative Schritte folgen müssten, um die Sicherheit der Beschäftigten in den Zügen zu gewährleisten.

Die Einzelheiten der Forderungen

Die Forderung der EVG basiert auf der konkreten Erwartung, dass Bahnmitarbeiter künftig als besonders gefährdete Berufsgruppe gesetzlich geschützt werden. Konkret soll das Personal in Zügen in den Gesetzentwurf von Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) aufgenommen werden. Dieser Entwurf sieht eigentlich Strafverschärfungen für Angriffe auf Sanitäter, Feuerwehrleute, Ärzte und Pflegepersonal vor. Die Gewerkschaft verlangt eine Ausweitung dieser Regelung auf das Zugpersonal. Gewerkschaftschef Martin Burkert äußerte sich gegenüber der „Bild am Sonntag“ scharf über das bisherige Ausbleiben von Taten seitens der Bundesregierung. Er kritisierte, dass es bislang lediglich bei „betroffenen Gesichtern und großen Worten“ geblieben sei. Verkehrsminister Bilger hat zwar vor Kurzem angekündigt, dass in Kürze Gespräche innerhalb der Bundesregierung zu diesem Thema stattfinden sollen, doch für die EVG reicht dieses vage Versprechen nicht mehr aus. Die Dringlichkeit der Forderung wird durch die Statistik untermauert: Allein im Jahr 2025 wurden in Zügen und auf Bahnhöfen in Deutschland mehr als 5.600 Gewaltdelikte registriert, was die Bundespolizei bereits im Februar 2026 als einen besorgniserregenden Trend zur Zunahme von Gewalt in diesem Bereich identifiziert hatte.

Hintergrund der Auseinandersetzung

Die Debatte um mehr Sicherheit für das Zugpersonal hat eine tragische Vorgeschichte. Anfang Februar 2026 kam es zu einem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in einem Regionalexpress, der bundesweit für Entsetzen sorgte. Dieses Ereignis markierte einen Wendepunkt in der Diskussion über die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr. In der Folge hatte die Bundesregierung in Aussicht gestellt, Maßnahmen zur Stärkung des Schutzes für Bahnmitarbeiter zu ergreifen. Die Erwartungshaltung der Gewerkschaft war, dass die Politik zügig handelt, um ähnliche Vorfälle in der Zukunft zu verhindern. Dass nun, Monate nach dem Vorfall, noch immer kein konkreter Gesetzentwurf vorliegt, der die spezifischen Belange des Zugpersonals berücksichtigt, führt bei der EVG zu einer wachsenden Frustration. Die Gewerkschaft sieht sich in der Pflicht, ihre Mitglieder zu schützen, und betrachtet die Blockade der Dienstpläne als ein notwendiges Druckmittel, um die politische Trägheit zu überwinden und die Sicherheit in Zügen endlich zur Priorität zu machen.

Die Beteiligten und ihre Rollen

In diesem Konflikt stehen sich die EVG, vertreten durch ihren Vorsitzenden Martin Burkert, und die Bundesregierung gegenüber. Aufseiten der Politik ist insbesondere das Justizministerium unter der Leitung von Stefanie Hubig (SPD) gefordert, da dort der Gesetzentwurf für Strafverschärfungen bei Angriffen auf systemrelevante Berufsgruppen erarbeitet wird. Auch Verkehrsminister Bilger ist in die Thematik involviert, da er als Ansprechpartner für die verkehrspolitischen Belange und die Sicherheit im Schienenverkehr fungiert und Gespräche innerhalb der Regierung angekündigt hat. Die Bundespolizei liefert mit ihren Statistiken über Gewaltdelikte in Zügen und an Bahnhöfen die notwendige Faktenbasis, die das Ausmaß der Bedrohung verdeutlicht. Die betroffenen Zugbegleiter und das weitere Zugpersonal bilden die Gruppe, deren Schutzbedürfnis im Zentrum der Auseinandersetzung steht und die durch die Gewerkschaft vertreten wird.

Einordnung und offene Fragen

Einzuordnen ist das Vorgehen der EVG als ein klassisches gewerkschaftliches Druckmittel, um politische Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Die Drohung mit einer Blockade der Dienstpläne ab Januar 2027 ist ein deutliches Signal, dass die Geduld der Arbeitnehmervertreter erschöpft ist. Den Berichten zufolge ist die Stimmung zwischen Gewerkschaft und Regierung angespannt, da die Diskrepanz zwischen den nach dem tödlichen Angriff im Februar gemachten Versprechungen und der aktuellen Gesetzeslage zu groß geworden ist. Dennoch bleiben einige Fragen offen: Es ist unklar, wie genau die Bundesregierung auf das Ultimatum reagieren wird und ob die Zeit bis Januar 2027 ausreicht, um ein Gesetzgebungsverfahren, das den Anforderungen der EVG entspricht, rechtssicher und parlamentarisch umzusetzen. Zudem bleibt abzuwarten, welche konkreten Auswirkungen eine Dienstplanblockade auf den täglichen Bahnverkehr hätte und ob es bei den angekündigten Gesprächen des Verkehrsministers tatsächlich zu einem Durchbruch kommt. Auch bleibt die Frage unbeantwortet, ob eine bloße Strafverschärfung allein ausreicht, um die Gewalt in Zügen wirksam einzudämmen, oder ob zusätzliche präventive Maßnahmen wie mehr Sicherheitspersonal oder technische Lösungen nötig wären.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/offentliche-verkehrsmittel-deutschland-plattform-zuge-16058387/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/evg-droht-mit-streiks-im-regionalverkehr-100.html