News aus aller Welt
Start
Bäume zum Einkaufspreis: Wie die Bergstraße alte Obstsorten vor dem Vergessen rettet
Regional · 04.08.2026 11:57

Bäume zum Einkaufspreis: Wie die Bergstraße alte Obstsorten vor dem Vergessen rettet

Kurz: Der Kreis Bergstraße fördert den Erhalt alter Obstsorten. Hobbygärtner können nun hochwertige Bäume zum Selbstkostenpreis für den eigenen Garten erwerben.

Ein Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt

Der Landkreis Bergstraße hat eine Initiative gestartet, die Hobbygärtner und Naturschützer gleichermaßen anspricht: Seit Anfang August können Interessierte Obstbäume zu einem Festpreis von 31 Euro erwerben. Dabei handelt es sich um eine reine Selbstkostenaktion, bei der der Kreis keinerlei Gewinn erzielt. Durch die Bündelung großer Bestellmengen gelingt es der Verwaltung, die Pflanzen zu einem attraktiven Preis an die Bürger weiterzugeben.

Das Ziel hinter dieser Maßnahme ist der Schutz der regionalen Kulturlandschaft. Indem der Kreis den Anbau von Obstbäumen im privaten Umfeld oder auf Streuobstwiesen fördert, soll ein aktiver Beitrag zur Biodiversität und zur Landschaftspflege geleistet werden. Die angebotenen Bäume verfügen über eine Stammlänge von mindestens 1,60 Metern und sind damit ideal für den Einsatz auf Streuobstwiesen oder in weitläufigen Gärten geeignet.

Vielfalt statt Supermarkt-Standard

Das Sortiment umfasst insgesamt 94 verschiedene Obstsorten. Darunter finden sich zahlreiche traditionelle Gewächse, die im klassischen Einzelhandel kaum noch zu finden sind. Namen wie der „Große französische Katzenkopf“, „Schneiders späte Knorpelkirsche“ oder der „Schöne aus Berwangen“ zeugen von einer historischen Sortenvielfalt, die durch das Projekt vor dem Vergessen bewahrt werden soll.

Laut Simon Menden, dem Leiter der Abteilung „Ländlicher Raum“ beim Kreis Bergstraße, ist der Erhalt dieser alten Sorten ein zentrales Anliegen der Initiative. „Wir wollen verhindern, dass dieses Wissen und diese Sorten aus unseren Gärten verschwinden“, betont Menden. Neben dem kulturellen Aspekt steht der ökologische Nutzen im Vordergrund: Die Bäume dienen als Lebensraum für Insekten und Vögel und tragen zur Stärkung des regionalen Ökosystems bei.

Unterstützung für jeden Gärtner

Um auch weniger erfahrenen Gartenbesitzern den Einstieg zu erleichtern, ist das Bestellformular in „klassische“ und „anspruchslose“ Sorten unterteilt. Letztere sind besonders für Personen geeignet, die weniger Erfahrung in der Baumpflege haben. Diese Sorten gelten als klimaresistenter und kommen mit schwierigen Witterungsbedingungen wie Hitze, Trockenheit oder speziellen Bodenverhältnissen besser zurecht. Sie erfordern insgesamt weniger Zuwendung und bieten dennoch einen hohen Ertrag.

Erfolgsgeschichte seit 2015

Das Projekt, das bereits vor vielen Jahren ins Leben gerufen wurde, erfreut sich einer stetig wachsenden Beliebtheit. Im vergangenen Jahr konnten fast 700 Bäume an interessierte Bürger vermittelt werden. Für das laufende Jahr rechnet die Verwaltung mit einer ähnlich hohen Nachfrage.

Die Aktion ist nicht exklusiv auf Bewohner des Kreises Bergstraße beschränkt; jeder Interessierte kann an dem Programm teilnehmen. Auch einige Kommunen unterstützen das Vorhaben, indem sie Sammelbestellungen organisieren. Wer sich für einen der Bäume entscheidet, hat noch bis zum 21. September Zeit, seine Bestellung aufzugeben. Die Ausgabe der Pflanzen erfolgt im November, rechtzeitig zur Pflanzsaison. Mit etwas Glück und der richtigen Pflege können die ersten Früchte bereits im kommenden Jahr geerntet werden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/ruhige-strasse-in-bad-hersfeld-bei-sonnenuntergang-30894769/ · Foto: Arlind D
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-baeume-zum-einkaufspreis-wie-die-bergstrasse-alte-obstsorten-vor-dem-vergessen-rettet-100.html