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Autistici/Inventati: USA sanktionieren italienisches Internetkollektiv
Technik · 27.08.2026 15:18

Autistici/Inventati: USA sanktionieren italienisches Internetkollektiv

Kurz: Die US-Regierung hat das italienische Internetkollektiv Autistici/Inventati als Terrororganisation eingestuft. Dies bedroht die digitale Infrastruktur für Aktiv

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Die US-Regierung hat am Mittwoch eine weitreichende Entscheidung getroffen, die das italienische Internetkollektiv Autistici/Inventati direkt betrifft. Die Behörden in den Vereinigten Staaten haben das Kollektiv offiziell als „Globale Terroristen“ eingestuft und mit Sanktionen belegt. Verantwortlich für diesen Schritt ist das Amt zur Kontrolle von Auslandsvermögen (OFAC). Die US-Administration, namentlich US-Außenminister Marco Rubio, begründet diesen drastischen Schritt mit dem erklärten Ziel, einer angeblichen Bedrohung durch gewalttätige linksradikale Terrorgruppen entgegenzuwirken. Die Maßnahme steht laut der US-Regierung in einem direkten Zusammenhang mit früheren Aktionen gegen die sogenannte „Antifa“, die bereits im November 2025 eingeleitet worden waren. Das Kollektiv, das seit über zwei Jahrzehnten als unabhängiger Anbieter für digitale Dienste fungiert, sieht sich nun mit massiven Vorwürfen konfrontiert, die von der Unterstützung terroristischer Handlungen bis hin zur Bereitstellung digitaler Infrastruktur für extremistische Zellen reichen. Die Betroffenen weisen sämtliche Anschuldigungen entschieden zurück und betonen ihr Engagement für freie Kommunikation und digitale Selbstverteidigung.

Die Einzelheiten der Sanktionen

Die US-Behörden werfen Autistici/Inventati vor, ohne explizite Beweise zu präsentieren, dass sie terroristische Handlungen wesentlich gefördert oder durch die Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen unterstützt hätten. Die rechtliche Grundlage für dieses Vorgehen bildet eine Verordnung, die ursprünglich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 unter George W. Bush erlassen wurde. Die US-Regierung behauptet zudem, dass die Dienste des Kollektivs von der Arbeiterpartei Kurdistans genutzt worden seien. Das Kollektiv, das 2001 im Umfeld des G8-Gipfels in Genua gegründet wurde, bietet Ehrenamtlichen soziale Infrastruktur wie Mailadressen und Instant Messenger an. Laut Informationen des ND hostet das Kollektiv etwa 1500 Webseiten. Besonders bekannt ist die Plattform NoBlogs.org, die auch in Deutschland weit verbreitet ist. Die Sanktionen entfalten ihre volle Wirkung ab dem 25. September 2026. Ab diesem Stichtag droht der Verlust von Bankkonten, Zahlungsabwicklungen, Hosting-Diensten und Domain-Registrierungen, da Unternehmen aus Angst vor US-Sanktionen ihre Geschäftsbeziehungen zu dem Kollektiv abbrechen könnten.

Hintergrund der Organisation

Autistici/Inventati ist seit seiner Gründung im Jahr 2001 ein fester Bestandteil der europäischen digitalen Zivilgesellschaft. Der Name des Kollektivs ist eine ironische Anspielung auf die intensive Arbeit vor Bildschirmen, wobei „Inventati“ sowohl als „sich selbst erfinden“ als auch als „die Erfundenen“ interpretiert werden kann. In den vergangenen Jahren hat sich die Gruppe als ein zentraler Akteur für soziale Bewegungen etabliert, die bewusst auf kommerzielle Plattformen verzichten, um ihre Daten vor Überwachung und kommerzieller Ausbeutung zu schützen. Das Kollektiv finanziert sich ausschließlich über Spenden und stellt seine Dienste unentgeltlich zur Verfügung. Es hat sich über die Jahre einen Ruf als sicherer Hafen für Aktivisten, Künstler und Forscher erarbeitet, die eine Infrastruktur abseits großer Konzerne suchen. Die aktuelle Eskalation durch die USA markiert einen neuen Höhepunkt in der Auseinandersetzung zwischen der US-Regierung und europäischen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die für ihre unabhängige digitale Infrastruktur bekannt sind.

Die Beteiligten und Betroffenen

Auf der einen Seite steht die US-Regierung unter der Führung von US-Außenminister Marco Rubio, die durch das OFAC die Sanktionen durchsetzt. Auf der anderen Seite steht das Kollektiv Autistici/Inventati, das sich gegen die Einstufung wehrt. Betroffen sind jedoch nicht nur die Mitglieder des Kollektivs, sondern eine breite Nutzerbasis, darunter Schriftsteller, Forscher und soziale Publikationen, die auf die Infrastruktur angewiesen sind. Das Medienkollektiv Sabotmedia hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet und die Auswirkungen der Sanktionen analysiert. In der Vergangenheit waren bereits Organisationen wie die deutsche Rote Hilfe oder HateAid von ähnlichen US-Sanktionen betroffen. Während die Rote Hilfe durch juristische Schritte und öffentlichen Protest ihre Konten bei der GLS Bank und der Sparkasse zurückerlangen konnte, zeigt dieser Fall, wie stark die Abhängigkeit von internationalen Finanzdienstleistern und IT-Infrastrukturanbietern die Arbeit zivilgesellschaftlicher Gruppen in Europa beeinflussen kann.

Einordnung der Maßnahmen

Einzuordnen ist die Einstufung als ein Versuch, die digitale Souveränität von sozialen Bewegungen zu untergraben. Den Berichten zufolge zielt die Maßnahme nicht nur auf die technische Infrastruktur ab, sondern auf das soziale Gefüge, das sich um diese Server gebildet hat. Experten und das Kollektiv selbst warnen vor einem „Kreis der Angst“. Durch die Einstufung auf einer Terrorismus-Blacklist wird jede Verbindung zu den Diensten von Autistici/Inventati potenziell zu einem Risikosignal für Dritte. Dies führt dazu, dass Nutzer aus Angst vor Repressalien zu kommerziellen Systemen abwandern könnten, die leichter zu überwachen sind. Die Struktur der US-Maßnahme lässt darauf schließen, dass die Ungewissheit selbst als Instrument der Kontrolle genutzt wird. Anstatt konkrete Anschuldigungen gegen Individuen vorzubringen, wird die Infrastruktur als Ganzes sanktioniert, was den Druck auf Banken und IT-Dienstleister massiv erhöht, ihre Geschäftsbeziehungen präventiv zu beenden.

Offene Fragen zur Situation

Der vorliegende Quelltext lässt einige entscheidende Fragen unbeantwortet. So bleibt unklar, welche spezifischen Beweise die US-Regierung intern vorliegen hat, da diese im öffentlichen Raum bisher nicht genannt wurden. Es wird nicht explizit ausgeführt, wie europäische Institutionen und Regierungen auf diesen Eingriff in die digitale Infrastruktur auf ihrem Territorium reagieren werden. Ebenso bleibt offen, ob es bereits konkrete Kündigungen von Dienstleistern gibt, die über die befürchteten Szenarien hinausgehen. Die genaue rechtliche Verteidigungsstrategie des Kollektivs, abgesehen von öffentlichen Stellungnahmen und dem Aufruf zur Solidarität, wird nur in groben Zügen skizziert. Auch die Frage, inwiefern europäische Datenschutzbehörden die Sanktionen als Eingriff in die Rechte europäischer Bürger werten könnten, wird im Text nicht thematisiert. Die langfristigen Auswirkungen auf die Hosting-Landschaft in Europa nach dem 25. September bleiben ebenfalls spekulativ, da die Reaktion der einzelnen Unternehmen derzeit noch abgewartet werden muss.

Wie es weitergeht

Der 25. September 2026 stellt den entscheidenden Stichtag dar, ab dem die Sanktionen ihre volle Wirkung entfalten. Das Kollektiv hat dazu aufgerufen, eine öffentliche Verteidigungskoalition zu bilden und die Geschichte von Autistici/Inventati zu dokumentieren, um der Darstellung der US-Regierung entgegenzuwirken. Unterstützer werden dazu angehalten, Archive zu sichern und die Kommunikation über die Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig wird empfohlen, keine direkten finanziellen Transaktionen aus den USA an das Kollektiv zu tätigen, um rechtliche Komplikationen zu vermeiden. Das Kollektiv betont, dass es trotz der drohenden Schwierigkeiten nicht nachgeben werde. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob es gelingt, die Infrastruktur durch Solidaritätsbekundungen und die Unterstützung durch andere Organisationen für digitale Rechte zu stabilisieren. Die Strategie des Kollektivs besteht darin, die Behauptungen der Regierung öffentlich zu hinterfragen und die Bedeutung autonomer Kommunikationswege für die Gesellschaft in den Fokus der Debatte zu rücken.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/retro-ms-dos-terminal-mit-tastaturbeleuchtung-37657434/ · Foto: Rafael Minguet Delgado
Quelle: https://netzpolitik.org/2026/autistici-inventati-usa-sanktionieren-italienisches-internetkollektiv/