Ein Sommer ohne Wasser: Die Lage im Birkenauer Freibad
In der Gemeinde Birkenau im Kreis Bergstraße stellt sich der Sommer in diesem Jahr völlig anders dar als gewohnt. Das Herzstück des örtlichen Freizeitangebots, das Freibad, ist für die Öffentlichkeit in seiner eigentlichen Funktion gesperrt. Ein Bauzaun umgibt das Schwimmbecken, das derzeit kein Wasser führt. Stattdessen sind dort Betonreste und Laub zu sehen, was den baulichen Zustand des aus den 1950er-Jahren stammenden Areals verdeutlicht. Die Entscheidung, das Becken nicht zu befüllen, wurde von der Gemeinde getroffen, da das alte Betonbecken als zu marode und undicht eingestuft wurde. Für die Bewohner des kleinen Odenwald-Ortes bedeutet dies eine erhebliche Einschränkung, da das nächste erreichbare Freibad mit dem Auto eine Fahrtzeit von mehr als zwanzig Minuten erfordert. Dennoch haben die Birkenauerinnen und Birkenauer beschlossen, sich die Laune nicht verderben zu lassen. Sie nutzen das weitläufige Gelände der Liegewiese intensiv für alternative Sommeraktivitäten. Von Malkursen über Fußballspiele bis hin zu geselligen Treffen am Kiosk zeigt sich, dass der soziale Zusammenhalt in der Gemeinde weit über den eigentlichen Badebetrieb hinausgeht. Die Menschen vor Ort haben das Gelände kurzerhand umfunktioniert, um den Sommer trotz des fehlenden Wassers gemeinsam zu verbringen.
Vielfältige Aktivitäten auf der Liegewiese
Das Gelände des Freibads hat sich in diesem Sommer zu einem lebendigen Treffpunkt gewandelt, der weit mehr bietet als nur eine leere Betonfläche. Jeden Montag verwandelt die Künstlerin Silke Schwarzbach die Liegewiese in ein Atelier unter freiem Himmel. In ihrem Malkurs, der für jedermann offensteht, schätzen die Teilnehmer die ruhige Atmosphäre, das Spiel von Licht und Schatten unter den Bäumen und den direkten Blick in die Natur. Nur wenige Meter entfernt hat sich die Wiese zum festen Anlaufpunkt für Kinder entwickelt, die sich dort fast täglich zum Fußballspielen treffen. Das Areal ist erfüllt von den Rufen der Kinder und dem Jubel über erzielte Tore. Auch der Spielplatz am anderen Ende der Anlage wird weiterhin rege genutzt. Die "Alten Damen" des örtlichen Handballvereins nutzen die Liegewiese sogar für ihre Trainingseinheiten. Nach dem Sport treffen sie sich regelmäßig am Kiosk von Franco Falbo. Für die Teilnehmerinnen ist dies nicht nur eine sportliche Betätigung, sondern ein bewusstes Statement für den Erhalt des Schwimmbads als zentralen Bestandteil der Birkenauer Identität. Die Verbundenheit der Menschen mit ihrem Bad, in dem viele von ihnen ihre Kindheit verbracht haben, bleibt ungebrochen.
Die Rolle des Kiosks und des Fördervereins
Der Kiosk von Franco Falbo fungiert in dieser schwierigen Phase als sozialer Ankerpunkt. Für den gebürtigen Italiener, der den Betrieb bereits seit langer Zeit führt, ist die Arbeit hinter der Theke eine Herzensangelegenheit. Obwohl er sich bereits im Rentenalter befindet, hält ihn der tägliche Kontakt zu den Besuchern jung. Für Falbo steht nicht der finanzielle Gewinn im Vordergrund, sondern die menschliche Begegnung. Er betont, wie sehr ihn die täglichen Grüße der Kinder, Frauen und Männer aus dem Ort motivieren. Parallel dazu leistet der Freibad-Förderverein unter der Führung von Stefan Walz und Holger Stiller eine immense Arbeit, um das Areal attraktiv zu halten. Mit Veranstaltungen wie Fußballturnieren, einem Hüpfburgenpark und Open-Air-Kino sorgen sie dafür, dass das Gelände ein lebendiger Treffpunkt bleibt. Selbst wenn die Kosten für diese Events die Einnahmen übersteigen sollten, ist den Verantwortlichen der Erhalt des Gemeinschaftsgefühls wichtiger. Das Ziel ist klar formuliert: Das Freibad soll auch in den kommenden Jahren das Herz der Gemeinde bleiben und wieder als Ort der Erholung mit Wasser dienen.
Die Beteiligten und ihre Perspektiven
Die Akteure in Birkenau setzen sich aus verschiedenen Gruppen zusammen, die alle ein gemeinsames Interesse an der Zukunft des Bades haben. Auf der einen Seite stehen die Bürgerinnen und Bürger, wie etwa Christiane Neber, die das Schwimmbad als festen Bestandteil ihrer Biografie betrachtet. Sie hofft, dass die Tradition, von Mai bis September das Bad zu besuchen, bald wieder aufgenommen werden kann. Auf der anderen Seite agieren die Vorstandsmitglieder des Fördervereins, Stefan Walz und Holger Stiller, die täglich daran arbeiten, die Anlage durch ein vielfältiges Programm am Leben zu erhalten. Der Kioskbetreiber Franco Falbo spielt eine zentrale Rolle für die soziale Atmosphäre. Bürgermeister Milan Mapplassary (parteilos) vertritt die administrative Seite. Er steht vor der Herausforderung, die marode Infrastruktur, die aus den 1950er-Jahren stammt, mit den begrenzten finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde in Einklang zu bringen. Die Gemeinde muss hierbei zwischen kurzfristigen Flickarbeiten und langfristigen Investitionen in eine moderne Lösung abwägen, wobei der Bürgermeister betont, dass die Kosten für eine Sanierung des alten Beckens erst geprüft werden müssen, bevor eine Entscheidung getroffen werden kann.
Einordnung der Situation und der Herausforderungen
Einzuordnen ist die aktuelle Situation als ein klassisches Beispiel für den Sanierungsstau in kommunalen Freizeiteinrichtungen. Das Freibad in Birkenau ist ein typisches Projekt der 1950er-Jahre, dessen technische Anlagen, Duschen und Beckenkonstruktionen den heutigen Anforderungen nicht mehr genügen. Den Berichten zufolge ist die finanzielle Lage der Gemeinde Birkenau angespannt, was den Spielraum für schnelle und kostspielige Sanierungen erheblich einschränkt. Dass der Bürgermeister eine Sanierung des Betonbeckens kritisch betrachtet und ein Edelstahlbecken bevorzugt, unterstreicht die Komplexität der Entscheidung. Ein Edelstahlbecken wäre zwar langlebiger und moderner, erfordert jedoch hohe Investitionen und eine mehrjährige Bauzeit, was den Badebetrieb für einen längeren Zeitraum unterbrechen würde. Die Bürgerinnen und Bürger zeigen eine hohe Resilienz, indem sie das Gelände trotz der Einschränkungen als sozialen Raum nutzen. Diese Form der zivilgesellschaftlichen Aneignung des öffentlichen Raums deutet darauf hin, dass die Bedeutung des Freibads weit über den reinen Schwimmsport hinausgeht und als wichtiger Identitätsanker für die Gemeinde fungiert.
Offene Fragen zur Zukunft des Freibads
Trotz des großen Engagements der Bevölkerung und des Fördervereins bleiben wesentliche Fragen zur Zukunft des Freibads unbeantwortet. Es ist derzeit unklar, wie hoch die Kosten für eine kurzfristige Reparatur des Betonbeckens tatsächlich wären, um einen Badebetrieb im nächsten Jahr überhaupt zu ermöglichen. Ebenso offen ist, ob die Gemeinde Birkenau die notwendigen Mittel für eine grundlegende Sanierung oder den Bau eines neuen Edelstahlbeckens aufbringen kann. Der Quelltext macht keine Angaben dazu, ob bereits Gespräche über mögliche Fördergelder auf Landes- oder Bundesebene geführt wurden oder ob es konkrete Zeitpläne für die Sanierungsschritte gibt. Auch bleibt unklar, wie die Gemeinde auf den Wunsch des Fördervereins reagieren wird, das Becken in Eigenregie zu flicken. Die rechtlichen und versicherungstechnischen Rahmenbedingungen für eine solche ehrenamtliche Reparatur an einer kommunalen Anlage werden im vorliegenden Bericht nicht thematisiert. Zudem fehlt eine Einschätzung, wie lange das Bad im Falle einer umfassenden Sanierung tatsächlich geschlossen bleiben müsste, sollte man sich für die Edelstahl-Variante entscheiden.
Wie es weitergeht: Ausblick auf die nächsten Schritte
Die Zukunft des Freibads hängt nun von den weiteren Prüfungen der Gemeinde ab. Bürgermeister Milan Mapplassary hat angekündigt, dass zunächst ermittelt werden muss, welcher finanzielle Aufwand für eine Instandsetzung des bestehenden Betonbeckens für die nächsten Jahre erforderlich wäre. Erst auf Basis dieser Kostenanalyse kann der Gemeinderat über das weitere Vorgehen entscheiden. Der Förderverein hat bereits signalisiert, dass er bereit ist, sich aktiv an den Reparaturarbeiten zu beteiligen, um den Badebetrieb im kommenden Jahr wieder zu ermöglichen. Diese Initiative bedarf jedoch der ausdrücklichen Zustimmung der Gemeinde. Während die politischen und administrativen Prozesse laufen, bleibt das Gelände für die Birkenauerinnen und Birkenauer ein Ort der Begegnung. Die Ankündigung, das Gelände weiterhin mit Leben zu füllen, zeigt, dass die Gemeinde unabhängig vom aktuellen Status des Wassers fest entschlossen ist, das Freibad als zentralen Treffpunkt zu erhalten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Wunsch der Bürger nach einer schnellen Wiederinbetriebnahme mit den finanziellen Realitäten der Gemeinde in Einklang gebracht werden kann.