Ein beispielloser Widerstand formiert sich
Die Machtbasis von FIFA-Präsident Gianni Infantino gerät ins Wanken. Was als ambitioniertes Projekt zur finanziellen Neuausrichtung des Weltverbandes begann, entwickelt sich zunehmend zu einer politischen Krise von globalem Ausmaß. Nachdem bereits die Europäische Fußball-Union (UEFA) mit einem Boykott sämtlicher FIFA-Turniere gedroht hatte, haben nun auch der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF sowie der asiatische Verband AFC ihre geschlossene Ablehnung gegenüber den Investorenplänen erklärt. Damit dürfte das Vorhaben, Anteile an der Weltmeisterschaft an Private-Equity-Investoren zu veräußern, rechnerisch gescheitert sein.
Die Fronten verhärten sich
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mit der Ablehnung durch die UEFA (55 Verbände) und die CONCACAF (41 Verbände) sowie der solidarischen Unterstützung aus Asien (AFC) haben sich mittlerweile 136 der insgesamt 211 FIFA-Mitgliedsverbände gegen die Pläne positioniert. Damit ist die für eine Umsetzung erforderliche einfache Mehrheit in weite Ferne gerückt. Auch wenn theoretisch einzelne Nationalverbände bei einer Abstimmung abweichen könnten, gilt das Projekt angesichts der breiten Front als politisch kaum noch durchsetzbar.
Der asiatische Verband AFC betonte in einer Stellungnahme die Sorge über die aktuelle Eskalation. Dass ein Boykott der Weltmeisterschaft überhaupt öffentlich debattiert werde, sei ein alarmierendes Signal für die Zukunft des Sports, so der Verband. Man dürfe den Fußball niemals in eine derart prekäre Lage manövrieren.
Kritik an Governance und Transparenz
Die Ablehnung der CONCACAF-Mitglieder, zu denen unter anderem die Ausrichter der jüngsten XXL-WM – USA, Kanada und Mexiko – gehören, gründet nicht nur auf inhaltlicher Skepsis. Die Verbände übten scharfe Kritik am internen Entscheidungsprozess. Insbesondere das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens sowie die künstlich kurz gesetzten Fristen für die Entscheidungsfindung stießen auf massiven Widerstand. Zudem wurde bemängelt, dass die zuständigen FIFA-Gremien den Vorschlag weder eingehend geprüft noch offiziell genehmigt hätten.
Ein zentraler Punkt der Debatte ist die Notwendigkeit der Finanzierung. Kritiker fragen sich, warum der Weltverband auf externe Private-Equity-Gelder angewiesen sein sollte, um FIFA-Forward-Programme zu finanzieren – insbesondere vor dem Hintergrund der finanziell erfolgreichsten Weltmeisterschaft in der Geschichte der FIFA.
Alternativen und Forderungen der Verbände
Statt auf externe Investoren zu setzen, schlägt die CONCACAF einen anderen Weg vor. Die Ratsmitglieder des Verbandes wurden beauftragt, mit der FIFA über die Nutzung der umfangreichen, bereits vorhandenen FIFA-Reserven zu verhandeln. Ziel ist es, die Mittel für die Fußballentwicklung in der Region durch interne Ressourcen zu erhöhen, anstatt die Kontrolle über WM-Anteile abzugeben.
Zudem fordert der Verband eine strikte Rückkehr zu den geltenden Governance-Prozessen. Infantino wurde dazu angehalten, sicherzustellen, dass alle künftigen Angelegenheiten gemäß den FIFA-Statuten über den FIFA-Rat und die entsprechenden Verwaltungsstrukturen abgewickelt werden. Die Botschaft der CONCACAF ist dabei unmissverständlich: Die Zukunft des Fußballs und dessen wertvollstes Gut müssen in der Hand der Fußballfamilie bleiben.
Die nächsten Schritte im Machtkampf
Die von Infantino gesetzte Frist für eine Zustimmung der Verbände endet am 19. September. Bisher hatte der FIFA-Präsident versucht, die Mitglieder mit hohen finanziellen Zuwendungen und der Aussicht auf eine weiter expandierende Weltmeisterschaft von seinem Kurs zu überzeugen. Angesichts der aktuellen Boykottdrohungen der UEFA und der geschlossenen Ablehnung der anderen Kontinentalverbände stellt sich die Frage, wie der Weltverband auf diesen massiven Druck reagieren wird. Eine einfache Mehrheit plus die Zustimmung durch den FIFA-Rat, die für das Vorhaben eigentlich ausgereicht hätten, scheinen unter den aktuellen Vorzeichen nicht mehr erreichbar.