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Antifeministischer Backlash: Mundhalten als Rezept für die Traum-Ehe
Kultur · 01.08.2026 17:55

Antifeministischer Backlash: Mundhalten als Rezept für die Traum-Ehe

Kurz: Ein umstrittener Artikel der New York Times rückt die Unterwerfung der Frau als Ehe-Rezept in den Fokus. Was steckt hinter dem Trend zum antifeministischen Back

Wenn Unterwerfung zum Beziehungsmodell wird

In der aktuellen Debatte um moderne Partnerschaften sorgt ein Beitrag der *New York Times* für Aufsehen. Im Zentrum steht Laura Doyle, eine Bestsellerautorin, die bereits 1999 mit ihrem Werk „The Surrendered Wife“ (deutsch: „Einfach schlau sein, einfach Frau sein“) bekannt wurde. Ihr Rat an unzufriedene Ehefrauen ist radikal: Sie sollen aufhören, ihre Männer zu kritisieren, die Kontrolle – etwa über Finanzen – abgeben und jederzeit sexuell verfügbar sein. Laut Doyle führe dieses Verhalten dazu, dass sich der Ehemann grundlegend wandle. Sie behauptet, dieser Ansatz funktioniere selbst in Beziehungen, in denen Suchtprobleme oder Gewalt eine Rolle spielen.

Die Zeitung präsentiert diesen Ansatz als ein mögliches Rezept für eine glückliche Ehe. Kritiker werfen dem Artikel jedoch vor, journalistisch fragwürdig zu sein. Es fehlen empirische Belege für die Wirksamkeit dieser Methode, während die Risiken – etwa finanzielle Abhängigkeit oder das Verharren in gewaltsamen Strukturen – weitgehend ausgeblendet werden. Die Autorin des Beitrags, Vivian Yee, ordnet Doyles Ratgeber in den Kanon jener amerikanischen Rechten ein, die den Feminismus als Ursprung gesellschaftlichen Unheils betrachten.

Historische Parallelen und reaktionäre Strömungen

Der Ansatz von Doyle ist keineswegs neu. Bereits in den 1970er Jahren propagierte Marabel Morgan in ihrem Buch „Die totale Frau“ ein ähnliches Modell: Die Frau solle sich den Spezialwünschen ihres Mannes – sei es beim Essen, beim Sport oder im Schlafzimmer – vollumfänglich anpassen. Dass solche Ideen heute wieder in einem renommierten Medium wie der *New York Times* aufgegriffen werden, deutet auf eine Verschiebung des öffentlichen Diskurses hin.

Neben Doyle findet auch die britische Journalistin Louise Perry Beachtung, die als „reaktionäre Feministin“ gilt. Perry kritisiert die sexuelle Revolution als schädlich für Frauen und plädiert für eine neue Enthaltsamkeit. Ihre These: Da Männer von Natur aus zu Übergriffen neigten, sollten Frauen sich nur auf Partner einlassen, mit denen sie eine feste Bindung und Kinder anstreben. Diese Sichtweise blendet jedoch aus, dass Gewalt gegen Frauen keineswegs auf unverbindliche Beziehungen beschränkt ist, sondern auch innerhalb der Ehe stattfindet.

Die Entfremdung zwischen den Geschlechtern

Parallel zu diesen konservativen Modellen hat sich in sozialen Netzwerken das Phänomen der „Heterofatalistinnen“ entwickelt. Dabei handelt es sich meist um junge Frauen, die aufgrund negativer Erfahrungen den Glauben an das Gelingen heterosexueller Beziehungen verloren haben und sich von diesen abwenden. Ob diese Internetphänomene die gesellschaftliche Realität widerspiegeln oder lediglich durch Medienberichte verstärkt werden, bleibt umstritten.

Dennoch lässt sich eine wachsende Entfremdung zwischen Männern und Frauen feststellen. Interessanterweise eint die konservativen Verfechterinnen der Unterwerfung und die Heterofatalistinnen eine pessimistische Grundannahme: Beide Gruppen scheinen die Hoffnung auf eine gleichberechtigte Partnerschaft aufgegeben zu haben. Während die einen die Frau zur Anpassung drängen, wählen die anderen den Rückzug.

Fehlende Visionen einer gleichberechtigten Liebe

Die in den Berichten skizzierten Modelle zeichnen ein deprimierendes Bild von Männern und Frauen. In der Welt von Laura Doyle wird der Mann als jemand dargestellt, der durch unterwürfiges Verhalten manipuliert werden muss, um „wie ein Prinz“ zu agieren. In Perrys Welt bleibt der Mann ein potenzieller Triebtäter. Eine Vision, in der sich zwei Individuen auf Augenhöhe begegnen, in der Kritik geäußert werden darf und beide Partner aus einer Position der Sicherheit heraus zueinander finden, findet in diesen Narrativen keinen Platz.

Die Verlagerung dieser komplexen gesellschaftlichen Probleme auf die private Ebene – sei es durch Unterwerfung oder durch den kompletten Beziehungsabbruch – entbindet von der Notwendigkeit politischer Gleichstellungsbestrebungen. Wer behauptet, dass Gleichberechtigung und Liebe unvereinbar seien, verkennt, dass der Weg zu einem respektvollen Miteinander zwar anstrengend ist, aber weit mehr bietet als die bloße Vermeidung von Konflikten durch Aufgabe der eigenen Autonomie. Wahre Optimisten sind heute jene, die trotz aller gesellschaftlichen Widerstände an die Möglichkeit einer gleichberechtigten Partnerschaft glauben.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/treppe-stufen-stadt-himmel-16721695/ · Foto: Nevtuğ Yalçın
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/new-york-times-raet-der-frau-wieder-zur-unterwerfung-accg-201073941.html