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"Altmetall"-Vorwurf: Kauft Deutschland die richtigen Waffen?
Politik · 11.08.2026 00:47

"Altmetall"-Vorwurf: Kauft Deutschland die richtigen Waffen?

Kurz: Deutschland investiert Milliarden in die Bundeswehr. Doch Experten streiten: Sind Panzer und Fregatten 'Altmetall' oder notwendige Basis für die Sicherheit?

Ein Streit um Milliarden: Wohin fließt das Geld der Bundeswehr?

Bis zum Jahr 2030 könnten in Deutschland rund 700 Milliarden Euro in den Verteidigungssektor fließen. Doch während die Mittel bereitstehen, entbrennt eine heftige Debatte über die strategische Ausrichtung dieser Investitionen. Im Zentrum steht die Frage, ob Deutschland die richtigen Prioritäten setzt oder in eine militärische Vergangenheit investiert, die den Anforderungen der Zukunft nicht mehr gerecht wird.

Der Ökonom Moritz Schularick, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), äußert scharfe Kritik. Er wirft Verteidigungsminister Boris Pistorius vor, zu viel Kapital in klassische Großwaffensysteme wie Panzer, Fregatten und Kampfjets zu lenken. Schularick bezeichnet diese Investitionen provokant als „Altmetall“ und warnt vor einem „teuren und gefährlichen Irrweg“. Seiner Ansicht nach droht Deutschland, bis Ende des Jahrzehnts Systeme zu beschaffen, die bereits bei ihrer Auslieferung technisch überholt sein könnten.

Die Sicht des Ministeriums: Lückenschluss statt Rückschritt

Das Bundesverteidigungsministerium weist den Vorwurf der Rückwärtsgewandtheit entschieden zurück. Sprecher Mitko Müller betont, dass es sich bei den aktuellen Beschaffungen keineswegs um „altes Zeug“ handele. Vielmehr gehe es darum, die massiven Lücken zu schließen, die durch jahrzehntelange Sparmaßnahmen entstanden sind. Zudem müsse Deutschland militärische Verpflichtungen gegenüber seinen Nato-Partnern erfüllen.

Ministeriumsvertreter verweisen darauf, dass moderne Systeme wie der Kampfpanzer Leopard 2 A8 oder der Kampfjet F-35 keineswegs analoge Relikte seien. Sie verfügen über digitale Vernetzung, moderne Bewaffnung und KI-gestützte Lageauswertungen, was sie zu Werkzeugen der „Hightech-Kriegsführung im digitalen Zeitalter“ mache.

Warum Drohnen allein nicht ausreichen

Die Diskussion „Drohnen gegen Panzer“ wird von Militärexperten und Politikern als zu kurz gegriffen bewertet. Der Ukraine-Krieg dient hierbei als Anschauungsbeispiel: Zwar haben Drohnen, Sensorik und elektronische Kampfführung das Gefechtsfeld fundamental verändert, doch die Bedeutung konventioneller Systeme wie Artillerie und weitreichender Raketen bleibt ungebrochen.

Die SPD-Verteidigungspolitikerin Siemtje Möller betont, es sei ein Trugschluss zu glauben, künftige Konflikte ließen sich ausschließlich durch Drohnen und Künstliche Intelligenz entscheiden. Auch Christian Mölling von der Bertelsmann Stiftung warnt vor einer „Technologiefalle“. Er gibt zu bedenken, dass klassische Waffensysteme wie Patriot-Flugabwehrraketen strategisch entscheidend bleiben, da eine ballistische Rakete eine Zerstörungskraft besitzt, die eine einzelne Drohne nicht kompensieren kann.

Die Rolle der Industrie und strategische Netzwerke

Hinter der Kritik von Moritz Schularick steht auch eine industriepolitische Dimension. Der Ökonom ist Mitinitiator des Netzwerks SPARTA, das Experten aus Militär, Industrie und Wissenschaft vereint. Das Netzwerk fordert eine technologisch getriebene europäische Verteidigungspolitik mit Fokus auf autonome Systeme, Satellitenaufklärung und Hightech-Fähigkeiten.

Da zu den Mitinitiatoren und Unterstützern dieser Agenda auch führende Köpfe aus der Industrie gehören – etwa aus dem Umfeld von Airbus oder dem Defence-Tech-Unternehmen Helsing –, wird die Debatte auch unter dem Aspekt der Innovationsförderung geführt. Während Schularick die Verteidigungsausgaben als Motor für eine europäische Hightech-Industrie begreift, mahnen andere Experten zur Vorsicht: Militärische Beschaffungen dürften sich nicht primär an ökonomischen Wachstumspotenzialen orientieren, sondern müssten sich strikt an den tatsächlichen militärischen Erfordernissen und den Nato-Planungen ausrichten.

Die zentrale Herausforderung für die Bundesregierung bleibt somit ein Balanceakt: Die Bundeswehr muss kurzfristig einsatzfähig gemacht werden, während gleichzeitig der Anschluss an die technologische Entwicklung von morgen nicht verloren gehen darf.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/neues-rathaus-hannover-22813505/ · Foto: Daniel Lengies
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/verteidigung-ruestung-waffen-investition-drohnen-panzer-modern-100.html