News aus aller Welt
Start
AKW in Gefahr: Rumänien sprengt Donau-Felsen
Schlagzeilen · 03.08.2026 17:32

AKW in Gefahr: Rumänien sprengt Donau-Felsen

Kurz: Wegen extremer Dürre greift Rumänien zu drastischen Mitteln: Die Armee sprengt Felsen in der Donau, um die Kühlwasserversorgung des AKW Cernavoda zu sichern.

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Angesichts anhaltender Dürreperioden und historisch niedriger Wasserstände steht Rumänien vor einer kritischen Herausforderung für seine Energieversorgung. Um das Kernkraftwerk Cernavoda, das für rund 20 Prozent des nationalen Strombedarfs verantwortlich ist, vor einer vollständigen Abschaltung zu bewahren, hat die rumänische Armee eine außergewöhnliche Maßnahme ergriffen: In einem Donau-Arm bei Izvoarele, etwa 50 Kilometer flussaufwärts vom Kraftwerksstandort entfernt, wurden Felsen gesprengt, die durch den sinkenden Pegel freigelegt worden waren.

Die Trümmer dieser Sprengung sollen nun mittels Lastkähnen gezielt umgelagert werden. Ziel ist es, den Wasserfluss in Richtung des Kraftwerks umzuleiten und den Pegel so weit anzuheben, dass der Kühlwasserbedarf des AKW weiterhin gedeckt werden kann. Verteidigungsminister Radu Miruta bezeichnete den Einsatz als Erfolg, räumte jedoch ein, dass die Situation weiterhin angespannt bleibt.

Bedeutung des AKW Cernavoda

Das Kraftwerk Cernavoda ist eine tragende Säule der rumänischen Stromerzeugung. Die beiden Reaktoren, die 1996 und 2007 in Betrieb genommen wurden, produzieren jährlich etwa 10 Millionen Megawattstunden Energie. Da das Kraftwerk zwingend auf Donauwasser zur Kühlung angewiesen ist, hat der aktuelle Wassermangel direkte Auswirkungen auf die Betriebssicherheit.

Bereits in der Vorwoche mussten die Betreiber einen der beiden Reaktoren vorsorglich vom Netz nehmen. Eine vollständige Abschaltung des gesamten Standorts konnte bisher durch die kurzfristigen Umleitungsmaßnahmen abgewendet werden. Sollten die aktuellen Bemühungen jedoch nicht ausreichen, droht laut offiziellen Angaben eine komplette Stilllegung des Kraftwerks.

Klimatische Hintergründe und regionale Auswirkungen

Die aktuelle Situation in Rumänien ist kein isoliertes Ereignis, sondern fügt sich in ein größeres Muster klimatischer Veränderungen ein. Berichten zufolge erwärmt sich der europäische Kontinent derzeit doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Dies führt zu einer Häufung von Extremwetterereignissen, darunter lang anhaltende Dürren, Waldbrände und eine zunehmende Erwärmung der Gewässer.

Die Donau führt derzeit lediglich ein Drittel der für diese Jahreszeit üblichen Wassermenge. Da Prognosen von einem weiteren Absinken der Pegelstände in den kommenden Tagen ausgehen, bleibt die Lage kritisch. Neben der Energieversorgung ist auch die Schifffahrt von den niedrigen Wasserständen betroffen, wobei die nun durchgeführten Sprengungen laut Minister Miruta zumindest einen positiven Nebeneffekt für die Durchfahrbarkeit des Flusses haben könnten.

Ein historisches Problem

Interessanterweise ist die Beseitigung der nun gesprengten Felsformation ein Unterfangen, das die rumänischen Behörden bereits seit drei Jahrzehnten beschäftigt. Bisherige Versuche, die Hindernisse zu entfernen, blieben jedoch ohne Erfolg. Die aktuelle Notsituation durch die Dürre hat nun den nötigen Druck erzeugt, um das Vorhaben mit militärischen Mitteln umzusetzen.

Die kommenden Tage werden zeigen, ob die getroffenen Maßnahmen ausreichen, um den Betrieb des AKW Cernavoda stabil zu halten. Die Abhängigkeit von natürlichen Wasserläufen für die industrielle Kühlung verdeutlicht die zunehmende Verwundbarkeit kritischer Infrastrukturen gegenüber den Folgen des Klimawandels.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-abstrakt-lesen-maske-19651953/ · Foto: ahmed akeri
Quelle: https://www.zdfheute.de/panorama/akw-rumaenien-donau-sprengung-felsen-100.html