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Ab August greift Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung
Schlagzeilen · 01.08.2026 07:51

Ab August greift Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung

Kurz: Ab August haben Erstklässler einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Was das für Familien bedeutet und wo es beim Ausbau noch hakt.

Ein neuer Meilenstein für die Grundschulbetreuung

Mit Beginn des neuen Schuljahres im August tritt eine bedeutende bildungspolitische Neuerung in Kraft: Der stufenweise Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung für Grundschulkinder. Ziel der Maßnahme ist es, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Eltern zu verbessern und gleichzeitig die Bildungschancen von Kindern zu erhöhen. Der Anspruch umfasst acht Stunden Betreuung und Bildung pro Tag, von Montag bis Freitag, wobei der reguläre Unterricht in dieses Zeitfenster eingerechnet wird.

Schrittweise Einführung bis 2029

Die Umsetzung erfolgt nicht flächendeckend für alle Grundschüler gleichzeitig, sondern über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Den Anfang machen im aktuellen Schuljahr die Kinder der ersten Klassenstufe. In den kommenden Jahren soll das Angebot kontinuierlich ausgeweitet werden. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, dass ab dem Schuljahr 2029/30 alle Kinder der Klassen eins bis vier einen gesetzlichen Anspruch auf einen Ganztagsplatz haben.

Rahmenbedingungen und regionale Unterschiede

Die Ausgestaltung der Betreuung unterliegt regionalen Unterschieden, da Länder und Kommunen für die Umsetzung verantwortlich sind. Die Betreuung kann direkt in der Schule oder in einem nahegelegenen Hort stattfinden. Auch die Kostenstruktur ist nicht bundeseinheitlich geregelt: Während einige Angebote kostenfrei sind, können andernorts einkommensabhängige Gebühren anfallen, die sich auf mehrere Hundert Euro monatlich belaufen können.

Zudem gilt der Rechtsanspruch grundsätzlich auch für die Ferienzeiten. Hierbei sind vier Wochen Schließzeit möglich, die von den Ländern flexibel auf das Jahr verteilt werden können. Um die Betreuung während der Ferien zu gewährleisten, ist eine Kooperation mit externen Partnern wie Sportvereinen, Musikschulen oder Anbietern von Ferienfreizeiten vorgesehen, sofern diese bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Obwohl das Gesetz bereits 2021 von der damaligen Großen Koalition verabschiedet wurde, stehen Länder und Kommunen vor erheblichen logistischen und personellen Herausforderungen. Seit Jahren wird an der Erweiterung von Schulen, dem Bau von Horten und der Gewinnung von Fachkräften gearbeitet. Dennoch zeichnen sich Lücken ab: Laut Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) fehlen bundesweit rund 166.000 Plätze, um den aktuellen Bedarf vollständig zu decken. Insbesondere in Bayern und Nordrhein-Westfalen weist das Institut der Deutschen Wirtschaft auf signifikante Defizite hin.

Die Bildungsministerin Karin Prien (CDU) bezeichnet den Rechtsanspruch zwar als Meilenstein für mehr Chancengerechtigkeit, mahnt jedoch zu Pragmatismus. Sie räumt ein, dass zum Start nicht überall die gleiche Qualität erreicht werden könne und wirbt um Geduld. Experten befürchten, dass Schulen in Regionen mit hoher Platznot auf Notlösungen oder vergrößerte Gruppen zurückgreifen müssen, um den gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen.

Pädagogische Perspektiven und Ausblick

Untersuchungen des Ifo-Instituts unterstreichen die positiven Effekte einer Ganztagsbetreuung. So deuten Daten darauf hin, dass ein solches Angebot das Schulklima verbessern, die Deutschnoten fördern und die Wahrscheinlichkeit eines späteren Gymnasiumbesuchs erhöhen kann. Während in den ostdeutschen Bundesländern die Ganztagsstruktur historisch bedingt bereits fest etabliert ist, liegt der Fokus der aktuellen Bemühungen vor allem auf den westlichen Bundesländern.

Für Eltern besteht keine generelle Teilnahmepflicht, sofern es sich nicht um eine gebundene Ganztagsschule handelt, bei der die Betreuung fest im pädagogischen Konzept verankert ist. Gewerkschaften fordern angesichts der bestehenden Lücken eine Qualitätsoffensive sowie bundesweit einheitliche Standards, um eine verlässliche und hochwertige Betreuung für alle Kinder sicherzustellen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-sitzung-sitzen-tisch-11363660/ · Foto: Mathias Reding
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/ganztagsbetreuung-grundschule-start-100.html