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80 Plagiate? Badenberg lässt Doktorarbeit prüfen
Schlagzeilen · 21.08.2026 15:30

80 Plagiate? Badenberg lässt Doktorarbeit prüfen

Kurz: Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg sieht sich mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Die Universität Köln prüft nun ihre Doktorarbeit.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg, die der CDU angehört, sieht sich kurz vor der anstehenden Abgeordnetenhauswahl mit gravierenden Vorwürfen gegen ihre wissenschaftliche Integrität konfrontiert. Der österreichische Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber, der in der Öffentlichkeit als spezialisierter „Plagiatsjäger“ bekannt ist, hat der Politikerin vorgeworfen, in ihrer an der Universität zu Köln verfassten Doktorarbeit zahlreiche Plagiate begangen zu haben. Konkret spricht Weber von 83 sogenannten Plagiatsfragmenten, die sich über die gesamte Arbeit erstrecken sollen. Angesichts dieser Anschuldigungen, die nur wenige Wochen vor dem Wahltermin am 20. September 2026 publik wurden, hat Badenberg reagiert. Sie hat die Universität zu Köln offiziell dazu aufgefordert, ihre Dissertation einer umfassenden und unabhängigen Prüfung zu unterziehen. Die Senatorin, die als Spitzenkandidatin für die CDU im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf antritt, betont dabei, die Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst zu haben. Die Hochschule hat das Verfahren zur Qualitätssicherung bereits eingeleitet, um die wissenschaftliche Praxis der Arbeit zu bewerten.

Die Einzelheiten der Vorwürfe

Die von Stefan Weber erhobenen Anschuldigungen sind detailliert und umfassen laut seinen Angaben mehr als 80 Stellen in der juristischen Dissertation. Weber spricht von insgesamt 83 Plagiatsfragmenten, die er in der Arbeit an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln identifiziert haben will. Dabei soll es sich nicht nur um vereinzelte Fehler handeln, sondern um eine Mischung aus einzelnen Sätzen und ganzen Textabschnitten, die ohne entsprechende Kennzeichnung übernommen worden sein sollen. Besonders bemerkenswert ist, dass Weber sogar die Danksagung der Arbeit in seine Kritik einbezieht. Der Gutachter selbst hält sich jedoch bedeckt, was die Herkunft seines Auftrags betrifft. Als Berufsdetektiv unterliegt er nach eigener Aussage der österreichischen Gewerbeordnung, die ihn zur Verschwiegenheit gegenüber Auftraggebern verpflichtet. Auf Nachfragen der Deutschen Presse-Agentur verweigerte er daher jegliche Auskunft darüber, wer die Untersuchung der Arbeit finanziert oder in Auftrag gegeben hat. Weber ist in diesem Bereich kein Unbekannter; er hat seit 2007 hunderte Werke untersucht und führt auf seiner Website 16 Fälle auf, in denen akademische Grade infolge seiner Gutachten aberkannt wurden.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Felor Badenberg ist seit dem Jahr 2023 als Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz in Berlin tätig. Ihr politischer Werdegang ist bemerkenswert, da sie bei ihrem Amtsantritt zunächst parteilos war und erst rund ein Jahr später in die CDU eintrat. Die 51-Jährige, die im Iran geboren wurde und ab 1987 in Deutschland zur Schule ging, verfügt über eine fundierte juristische Ausbildung. Ihre Karriere führte sie ab 2006 in das Bundesamt für Verfassungsschutz, wo sie unter anderem am Aufbau der Cyberabwehr beteiligt war. Sie leitete dort den Bereich Rechtsextremismus und Terrorabwehr und war maßgeblich mit der Beobachtung der AfD als rechtsextremistischer Verdachtsfall befasst. Im Jahr 2022 stieg sie zur Vizepräsidentin der Behörde auf, eine Position, die sie als erste Frau überhaupt bekleidete. Seit Februar 2026 gehört sie zudem dem CDU-Bundesvorstand an. Dass nun ausgerechnet ihre Dissertation in den Fokus gerät, stellt für die CDU eine schwierige Situation dar, da die Partei in Berlin derzeit in einer Koalition mit der SPD regiert und auf die bevorstehende Wahl im September blickt.

Die beteiligten Akteure und Institutionen

Neben der betroffenen Senatorin Felor Badenberg spielt die Universität zu Köln eine zentrale Rolle als prüfende Instanz. Eine Sprecherin der Hochschule bestätigte, dass die Dissertation auf Bitten der Senatorin hin untersucht wird. Dabei orientiert sich die Universität an den Regularien der Deutschen Forschungsgemeinschaft und wendet ein standardisiertes Verfahren zur Qualitätssicherung an. Auf politischer Ebene hat sich der Berliner Finanzsenator Stefan Evers, der als Spitzenkandidat der CDU für die Abgeordnetenhauswahl fungiert, zu den Vorwürfen geäußert. Er lobte Badenbergs bisherige Arbeit als Senatorin und hob ihre Integrität sowie Professionalität hervor. Evers unterstützte Badenbergs Entscheidung, die Universität proaktiv mit der Prüfung zu beauftragen, ausdrücklich. Er betonte zudem, dass er sich nicht an Spekulationen über den Ursprung oder die Motivation hinter den Vorwürfen beteiligen wolle. Auch der Regierende Bürgermeister Kai Wegner ist indirekt betroffen, da die Partei kurz vor der Wahl mit einer weiteren Personaldebatte konfrontiert ist, nachdem er selbst nach einem Krisenmanagement-Vorfall im Januar nicht mehr als Spitzenkandidat antritt.

Einordnung der Geschehnisse

Einzuordnen ist der Fall in eine Reihe ähnlicher wissenschaftlicher Überprüfungen, die in den vergangenen Jahren in Deutschland für politisches Aufsehen gesorgt haben. Den Berichten zufolge ist die Liste der Personen, die von Stefan Weber oder anderen Plagiatsjägern ins Visier genommen wurden, lang und prominent besetzt. Namen wie Annalena Baerbock, Robert Habeck, Armin Laschet oder Mario Voigt tauchen in diesem Zusammenhang immer wieder auf. Dabei ist jedoch zu beachten, dass eine bloße Anschuldigung oder ein privates Gutachten noch kein rechtlich bindendes Urteil über die wissenschaftliche Qualität einer Arbeit darstellt. Während in einigen Fällen, wie etwa bei der ehemaligen Berliner Senatorin Manja Schreiner oder Franziska Giffey, tatsächlich Titel aberkannt wurden, gab es auch Fälle, in denen sich Vorwürfe als haltlos erwiesen oder die betroffenen Personen ihre Kandidaturen aus anderen Gründen zurückzogen. Die politische Brisanz ergibt sich hier vor allem aus dem zeitlichen Kontext: Die Veröffentlichung der Vorwürfe nur einen Monat vor der Wahl zwingt die CDU dazu, sich mitten im Wahlkampf mit einer potenziell schädigenden Debatte auseinanderzusetzen.

Offene Fragen zur Affäre

Der vorliegende Sachverhalt lässt einige wesentliche Fragen unbeantwortet, die für die weitere öffentliche Wahrnehmung von Bedeutung sein könnten. Zunächst bleibt völlig unklar, wer den Plagiatsjäger Stefan Weber mit der Untersuchung der Dissertation beauftragt hat. Da Weber sich auf seine Verschwiegenheitspflicht als Berufsdetektiv beruft, ist nicht bekannt, ob politische Konkurrenten oder andere Interessengruppen hinter der Initiative stecken. Ebenso wenig beantwortet der Quelltext die Frage, wie schwerwiegend die von Weber identifizierten „83 Fragmente“ in der Gesamtschau der Arbeit tatsächlich zu bewerten sind. Es bleibt offen, ob es sich um formale Zitierfehler oder um eine systematische Täuschungsabsicht handelt, wie sie in anderen Fällen zur Aberkennung von Titeln geführt hat. Auch über den genauen Zeitplan der Universität Köln gibt es keine Informationen. Es ist nicht absehbar, wie lange das Prüfverfahren dauern wird und ob mit einem Ergebnis noch vor dem Wahltermin am 20. September zu rechnen ist. Diese Lücken in der Informationslage lassen derzeit viel Raum für politische Spekulationen.

Wie es weitergeht

Die Universität zu Köln hat angekündigt, das Verfahren zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis sorgfältig und zügig durchzuführen. Sobald ein Ergebnis vorliegt, will die Hochschule darüber informieren. Für Felor Badenberg bedeutet dies eine Phase der Ungewissheit, während sie gleichzeitig ihren Wahlkampf im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bestreiten muss. Die CDU-Spitze, vertreten durch Stefan Evers, hat sich bereits hinter die Senatorin gestellt und ihr Vorgehen, die Universität selbst einzuschalten, als proaktiv und richtig bewertet. Ob dieses Signal ausreicht, um den Druck von der Kandidatin zu nehmen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die Öffentlichkeit und die Wähler werden nun darauf warten, ob die Universität Köln den Vorwürfen von Stefan Weber inhaltlich folgt oder ob sich die Arbeit als wissenschaftlich korrekt erweist. Bis dahin bleibt das Thema ein potenzieller Störfaktor für die Berliner CDU, die auf eine erfolgreiche Abgeordnetenhauswahl am 20. September hofft, ohne dass dieser Fall das Image der Partei oder der Kandidatin nachhaltig beschädigt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/atemberaubende-aussicht-auf-schloss-gottorf-in-schleswig-holstein-30981119/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/berlin-justizsenatorin-felor-badenberg-plagiatsvorwuerfe-doktorarbeit-100.html