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6G-Vorläufer: Verizon und Ericsson testen 7-GHz-Verbindung im Feld
Schlagzeilen · 16.10.2026 14:13

6G-Vorläufer: Verizon und Ericsson testen 7-GHz-Verbindung im Feld

Kurz: Verizon und Ericsson haben erfolgreich einen 6G-Feldtest im 7-GHz-Bereich absolviert. Der Fokus lag dabei auf der Durchdringung von Gebäuden.

Ein Meilenstein für die nächste Mobilfunkgeneration

Der US-amerikanische Netzbetreiber Verizon und der schwedische Technologiekonzern Ericsson haben einen bedeutenden Schritt in Richtung der kommenden Mobilfunkgeneration 6G vollzogen. Wie Ericsson am 16. Oktober 2026 offiziell mitteilte, wurde ein erster sogenannter 6G-Field-Call erfolgreich durchgeführt. Dieser Test fand in einem realen Umfeld statt, wobei eine Datenverbindung im 7-GHz-Frequenzbereich etabliert wurde. Die Besonderheit dieses Versuchs liegt in der Nutzung einer Bandbreite von 400 MHz, die auf der Basis eines Vorab-Standards für 6G realisiert wurde. Der Testlauf markiert einen wichtigen Punkt in der technologischen Entwicklung, da er zeigt, dass die Industrie bereits intensiv an den Grundlagen für die Zeit nach 5G arbeitet. Die Durchführung unter realen Bedingungen in einem Außenbereich bietet dabei die notwendige Datenbasis, um die theoretischen Konzepte der neuen Mobilfunkgeneration in der Praxis zu validieren. Es ist ein Vorhaben, das die Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern und Ausrüstern unterstreicht, um die technologische Basis für künftige globale Kommunikationsstandards zu legen.

Technische Details und Rahmenbedingungen des Versuchs

Der Feldversuch wurde an einem Standort von Verizon in Concord, Kalifornien, durchgeführt. Zum Einsatz kam dabei ein spezielles 6G-Proof-of-Concept-Kit, das von Ericsson bereitgestellt wurde. Ein zentraler Aspekt der Untersuchung war die Erprobung der sogenannten Upper-Mid-Band-Frequenzen im Außenbereich. Die Ingenieure konzentrierten sich dabei insbesondere auf die physikalischen Herausforderungen der Signalübertragung. Ein wesentliches Ziel war es, zu analysieren, wie effektiv diese hochfrequenten Signale in Gebäude eindringen können. Dabei wurden verschiedene Materialien wie Glas und unterschiedliche Wandbeschaffenheiten explizit in die Untersuchung einbezogen. Obwohl die Partner bestätigten, dass der Test im 7-GHz-Bereich stattfand, machten sie keine genaueren Angaben dazu, welcher spezifische Ausschnitt dieses Bandes für die Übertragung genutzt wurde. Die 400-MHz-Bandbreite verdeutlicht jedoch die hohen Kapazitätsanforderungen, die für künftige 6G-Anwendungen als notwendig erachtet werden, um die versprochenen Datenraten und Latenzzeiten in der Praxis überhaupt erreichen zu können.

Der Hintergrund der Frequenznutzung und regulatorische Aspekte

Die Wahl des 7-GHz-Bereichs ist keineswegs zufällig, sondern ein strategischer Schritt in der Frequenzplanung. Derzeit ist dieses Spektrum, das sich grob zwischen 5,9 GHz und 8,5 GHz bewegt, noch anderweitig belegt. Es wird primär für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, Richtfunkstrecken sowie für diverse Weltraumanwendungen genutzt. Die Mobilfunkindustrie hat jedoch ein starkes Interesse daran, diese Frequenzen für den öffentlichen Mobilfunk zu erschließen, da sie einen guten Kompromiss zwischen Reichweite und Kapazität darstellen. In diesem Zusammenhang ist auch die Aktivität von T-Mobile US erwähnenswert, einem weiteren großen Akteur auf dem US-Markt. T-Mobile US hat von der US-Regulierungsbehörde FCC eine zeitlich begrenzte Lizenz erhalten, um im Bereich von 6.425 MHz bis 6.825 MHz Prototypen für 6G-Ausrüstung zu testen, die in Zusammenarbeit mit Ericsson und Mediatek entwickelt wurde. Diese regulatorischen Ausnahmegenehmigungen verdeutlichen den hohen Stellenwert, den die Erforschung dieser Frequenzbänder für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Netzbetreiber und die Entwicklung neuer Standards hat.

Die Akteure und ihre strategische Motivation

Die treibenden Kräfte hinter diesem Projekt sind Verizon als einer der führenden Netzbetreiber in den Vereinigten Staaten und Ericsson als global agierender Ausrüster. Yago Tenorio, der als Chief Technology Officer bei Verizon fungiert, betonte die strategische Bedeutung dieser Versuche. Laut Tenorio geht es bei diesen Feldtests nicht nur um die reine technische Machbarkeit, sondern darum, wesentliche Erkenntnisse zu gewinnen, die für die Gestaltung globaler Standards zwingend erforderlich sind. Das Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis dafür zu entwickeln, wie künftige 6G-Netze konzipiert, in der Fläche bereitgestellt und von den Endnutzern letztlich erlebt werden könnten. Die Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Unternehmen zielt darauf ab, die technologische Führerschaft bei der Standardisierung von 6G zu sichern. Während Ericsson die Hardware-Lösungen in Form von Proof-of-Concept-Kits liefert, bringt Verizon die Infrastruktur und die operative Expertise ein, um die Technologie unter realen Bedingungen zu testen und die notwendigen Daten für die Standardisierungsgremien zu sammeln.

Einordnung der technologischen Herausforderungen

Einzuordnen ist der Test im 7-GHz-Bereich als Reaktion auf die physikalischen Grenzen bisheriger Mobilfunktechnologien. Bei Frequenzen ab 7 GHz nehmen die Durchdringungsverluste von Gebäuden sowie die allgemeine Signaldämpfung deutlich zu. Dies stellt die Netzbetreiber vor erhebliche Herausforderungen, da die Signalqualität in Innenräumen bei höheren Frequenzen rapide abnimmt. Um diese physikalischen Nachteile auszugleichen, setzt die 6G-Entwicklung auf zwei technologische Säulen: Extremely Large-Scale MIMO (Multiple Input, Multiple Output), oft auch als Gigantic MIMO bezeichnet, und neue Beamforming-Verfahren. Diese Technologien erlauben es, Funksignale nicht mehr diffus in den Raum zu strahlen, sondern gezielt und gebündelt auf das jeweilige Endgerät auszurichten. Dies ist ein notwendiger Schritt, da höhere Frequenzen wie etwa Millimeterwellen ab 24 GHz zwar enorme Bandbreiten bieten, jedoch bereits an leichten Hindernissen wie Wänden, Bäumen oder dem menschlichen Körper scheitern. Die 7-GHz-Forschung ist somit ein Versuch, die Vorteile hoher Bandbreiten mit einer noch akzeptablen Ausbreitungscharakteristik zu verbinden.

Offene Fragen und der Weg in die Zukunft

Trotz der erfolgreichen Durchführung des Feldtests bleiben einige zentrale Fragen unbeantwortet. Der Quelltext lässt offen, welche spezifischen Durchdringungswerte bei den verschiedenen Materialien tatsächlich gemessen wurden und wie sich diese Ergebnisse auf die Planung künftiger Netzabdeckungen auswirken. Auch bleibt unklar, wie die Koexistenz mit den derzeitigen Nutzern des 7-GHz-Bands – etwa den Weltraumanwendungen – dauerhaft gelöst werden soll, falls dieses Spektrum für den Mobilfunk freigegeben wird. Zudem gibt es keine Informationen darüber, wann mit einer kommerziellen Nutzung dieser Frequenzen zu rechnen ist oder welche weiteren Testphasen in anderen Regionen geplant sind. Was die Zukunft betrifft, so ist der Test als Teil eines laufenden Standardisierungsprozesses zu verstehen. Die Erkenntnisse aus Concord fließen in die Gestaltung der globalen 6G-Spezifikationen ein. Weitere Schritte werden die Verfeinerung der Antennensysteme und die Optimierung der Beamforming-Algorithmen umfassen, um die Effizienz der Signalübertragung bei steigender Frequenz weiter zu steigern. Die Branche wartet nun auf die nächsten Etappen der Standardisierung, bei denen die im Feld gewonnenen Daten als Grundlage für die Definition der technischen Anforderungen dienen werden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/laptop-bildschirm-zeitschrift-stillleben-7873572/ · Foto: Leeloo The First
Quelle: https://www.golem.de/news/6g-vorlaeufer-verizon-und-ericsson-testen-7-ghz-verbindung-im-feld-2610-214189.html