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110 Millionen US-Dollar: Start-up Velaura bekommt Geld für Low-Voltage-KI-Chips
Technik · 19.08.2026 16:02

110 Millionen US-Dollar: Start-up Velaura bekommt Geld für Low-Voltage-KI-Chips

Kurz: Das KI-Start-up Velaura sichert sich 110 Millionen US-Dollar. Mit einem speziellen Ansatz zur Spannungsreduzierung will das Unternehmen die Effizienz von Chips

Ein bedeutender Finanzierungserfolg für Velaura

Das in Santa Clara, Kalifornien, ansässige Start-up Velaura hat in einer jüngsten Serie-A-Finanzierungsrunde beachtliche 110 Millionen US-Dollar an Kapital eingesammelt. Dieser massive Zustrom an Investorengeldern unterstreicht das wachsende Interesse an Hardware-Lösungen, die den enormen Energiehunger moderner Künstlicher Intelligenz zügeln können. Durch diese Finanzspritze erreicht das junge Unternehmen eine Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar, womit es den Status eines sogenannten Unicorns erreicht hat. Hinter dem ambitionierten Projekt steht eine Reihe namhafter Risikokapitalgeber, die das Potenzial der von Velaura entwickelten Technologie erkannt haben. Die Kernidee des Start-ups besteht darin, die Recheneinheiten von KI-Beschleunigern mit einer deutlich reduzierten Versorgungsspannung zu betreiben. Da die dynamische Leistungsaufnahme einer CMOS-Schaltung quadratisch von der Spannung abhängt, verspricht dieser Ansatz eine massive Steigerung der Energieeffizienz. Laut Unternehmensangaben soll das Konzept bereits in über 30 Millionen Chips erfolgreich zum Einsatz gekommen sein, was den Investoren das nötige Vertrauen für die hohe Bewertung gab.

Technische Details und das innovative Lizenzmodell

Velaura setzt auf eine selbst entwickelte Hardware-Bibliothek, die mathematische Berechnungen bei einer signifikant niedrigeren Versorgungsspannung ermöglicht. Während herkömmliche Chips typischerweise mit 700 bis 800 Millivolt betrieben werden, zielt Velaura auf einen Bereich zwischen 300 und 500 Millivolt ab. Trotz dieser drastischen Absenkung verspricht das Unternehmen, dass weder die Ausbeute an funktionsfähigen Chips – der sogenannte Yield – noch die Taktfrequenz unter dem Prozess leiden. Diese Technologie wurde bereits in 2- und 3-Nanometer-Fertigungsprozessen erprobt, wobei der Catalyst Fund von Samsung als einer der Investoren eine Schlüsselrolle spielt. Ein besonderes Merkmal ist das Geschäftsmodell: CEO Rajiv Khemani erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass Velaura neben einer Grundgebühr variable Lizenzkosten erhebt. Diese richten sich direkt nach der tatsächlich erzielten Energieeinsparung, die bei einem mit der Technologie ausgestatteten Chip zwischen 25 und 50 Prozent liegen soll. Das System umfasst zudem spezielle Fehlerkorrekturmechanismen, die im sogenannten Titan Core zusammengefasst sind.

Hintergrund: Vom Krypto-Mining zur Künstlichen Intelligenz

Die Ursprünge von Velaura liegen in einem anderen Bereich der Hochleistungsrechner: Ursprünglich firmierte das Start-up unter dem Namen Auradine und spezialisierte sich auf die Entwicklung von ASICs für das Bitcoin-Mining. Diese historische Verbindung erklärt auch, warum Velaura angibt, dass ihre Technologie bereits in 30 Millionen Chips verbaut sei. Betreiber von Krypto-Rechenzentren stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie KI-Unternehmen, da sie über eine etablierte Infrastruktur und Energieversorgung verfügen. Da viele Krypto-Mining-Betreiber aktuell auf KI-Anwendungen umsteigen, um ihre bestehenden Rechenzentren wirtschaftlich weiter zu nutzen, bietet Velauras Technologie eine nahtlose Brücke. Während neue KI-Rechenzentren oft den Bau eigener Gaskraftwerke erfordern, ermöglicht die Effizienzsteigerung von Velaura den Betrieb moderner KI-Beschleuniger in älteren Anlagen. Dies ist ein entscheidender Vorteil, da viele ältere Rechenzentren, die noch auf Nvidia-A100-Beschleunigern basieren, nicht für die extrem hohen Anforderungen moderner, wassergekühlter Hardware ausgelegt sind.

Die Akteure hinter dem Start-up

Die personelle Besetzung und die Investorenstruktur von Velaura sind hochkarätig. Besonders hervorzuheben ist die Beteiligung von Lip-Bu Tan, dem CEO von Intel, der das Start-up unterstützt. Seine Präsenz verleiht dem Unternehmen eine erhebliche Glaubwürdigkeit innerhalb der Halbleiterbranche. Die operative Leitung liegt bei CEO Rajiv Khemani, der die Strategie des Unternehmens maßgeblich mitgestaltet und die Kommunikation mit der Öffentlichkeit sowie Investoren führt. Auf der Investorenseite ist der Catalyst Fund von Samsung besonders relevant, da er nicht nur Kapital bereitstellt, sondern auch eine strategische Nähe zur Fertigungstechnologie in 2- und 3-nm-Prozessen herstellt. Zudem steht Velaura nach eigenen Angaben in einem intensiven Austausch mit drei der vier weltweit führenden Cloud-Anbietern. Diese Unternehmen prüfen derzeit, wie sie die Technologie in ihre bestehenden Beschleuniger-Designs integrieren können, ohne dabei grundlegende Änderungen an ihrer Hardware-Architektur vornehmen zu müssen.

Einordnung der Marktsituation

Einzuordnen ist der Erfolg von Velaura als Reaktion auf die zunehmende Energiekrise im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Die Berichte deuten darauf hin, dass die Branche an einem Wendepunkt steht: Die Hardware-Anforderungen moderner KI-Modelle übersteigen oft die Kapazitäten klassischer Rechenzentren. Wenn Velaura tatsächlich in der Lage ist, die Energieeffizienz um den Faktor zwei bis vier zu steigern, könnte dies die Betriebskosten für Cloud-Anbieter massiv senken. Velaura beziffert das Einsparpotenzial für ein Rechenzentrum mit 100.000 Beschleunigern auf jährlich 65 bis 130 Millionen US-Dollar. Den Berichten zufolge ist die Technologie besonders attraktiv, weil sie eine Luftkühlung für Chips mit einer Leistung von 500 bis 700 Watt ermöglicht, was den Zwang zur kostspieligen Umstellung auf Direktwasserkühlung oder das Heruntertakten moderner Hardware wie Nvidias B100-Modellen abmildern könnte. Dennoch bleibt die Skalierbarkeit der für Mining-ASICs entwickelten Methoden auf die wesentlich komplexeren Anforderungen von KI-Beschleunigern eine Herausforderung, die der Markt erst noch bewerten muss.

Offene Fragen und verbleibende Lücken

Der vorliegende Quelltext lässt einige wesentliche Fragen unbeantwortet, die für eine vollständige technische Bewertung notwendig wären. So gibt das Unternehmen zwar an, dass der Titan Core Fehlerkorrekturmechanismen umfasst, macht jedoch keine detaillierten Angaben zur genauen Funktionsweise dieser Technologie. Auch bleibt unklar, wie genau die Übertragung der für Krypto-Mining-ASICs entwickelten Ansätze auf die deutlich komplexeren und vielseitigeren KI-Beschleuniger gelingt. Es wird nicht explizit dargelegt, welche spezifischen technischen Hürden bei der Implementierung in den Designs der Cloud-Anbieter bestehen. Zudem fehlen Informationen darüber, ob bereits konkrete Lieferverträge mit den drei genannten Cloud-Anbietern unterzeichnet wurden oder ob es sich lediglich um ein unverbindliches Interesse handelt. Auch die Frage, wie sich die variable Preisgestaltung langfristig auf die Marge der Cloud-Betreiber auswirkt, wird im Text nicht weiter vertieft. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Technologie in der breiten Anwendung außerhalb der Krypto-Mining-Welt bewährt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schreibtisch-laptop-technologie-geld-5942597/ · Foto: https://kaboompics.com/
Quelle: https://www.golem.de/news/110-millionen-us-dollar-start-up-velaura-bekommt-geld-fuer-low-voltage-ki-chips-2608-212101.html